copyright: eva-d
der twist: grossvater ja banjospieler im osloer underground der 20-er, mutter baptistische kirchendiva, komisario im alter von 10 will schlagzeug spielen. die mutter kreischt wie immer: welch teufelswerkzeug! der sohn setzt sich durch, vater bringt den sohn geflissentlich zum unterricht, die augen keusch bedeckt gehalten vor des lehrers höllenanblick: tattoos, strammes sixpack, grazile nymphen im evakleid grossformatig die wände füllend.

der unverwüstliche wille wurde komisario in die wiege gelegt, der anarchische rhythmus des trommelschlags, das nervöse pulsieren der hihat wie sie sinnlich über die scheibe zurrt, wahrscheinlich sind hier die ersten spuren seines tobenden blutes in schwingung gekommen. komisario spielt keine musik. komisario ist musik. wild, impulsiv, haarscharf in seinem selbst erfundenen takt.

der weitere werdegang, bulimisch. klassik, jazz, pop, experimental, komisario jagt durch die universen. nirgends bleibt er hängen, überallhin kommt er wieder zurück, um erneut zu entschwinden.

seine auftritte als schlagzeuger verwehren ihm die eltern. komisario schmeisst mit 17 die schule. er will musik machen. ein letzter versuch der eltern ihn auf die sanfte bahn zu lenken: klarinette. er geht nach wien. studiert bei alfred prinz, spielt im orchester. das jähe ende dieser karriere: sein kiefer leidet unter der täglichen dressur. komisario wird “kapellmeister”, erste auträge als dirigent. zurück nach frankreich, paris. zeitgenössiche musik. er hat nun ein schwedisches ensemble, das er in die stadt der lichter bringt.

copyright: eva-dkomisario leidet. zu nah ist diese musikantenszenerie in ihrem bigotten gewand seinem puritanischen ursprung, der baptischen gemeinde. hörig. verschlossen. in den adern rinnt nur gesetztes anpassertum.

komisario beginnt zu komponieren. allein, sein computer bebt. er ist er, wieder: töne jagen, schlagen, ein jähes stoppen um gleich danach mit einer anderen achterbahnfahrt zu übermannen.

geldnot.

jahre der musikalischen enthaltsamkeit.

komisario erfindet sich neu. abenteurer. weltensegler. jetzt sucht er das gold that makes the world go around.

träume von finanzieller unabhängigkeit. mit dem gold will er eigene welten schaffen. musik. spektakel. delirium.

die musik steht schon lange nicht mehr auf dem notenblatt. kaum ein sound tobt noch durch den computer.

sein unbändiger drang nach leben und pulsieren, rhythmus und atmen hat sich in die welt gelegt. geballte energie im irdischen anzug. die verpuppung platzt.

copyright: eva-d

ist er ein lyti?

ich schlängele im rätsel. 

so viele irdische indizien. er könnte existieren, physich. genau wie musik physich existiert? schlangen winden sich durch das rückrat. ihre blicke verwandeln steine in schlösser.

ich bin agent008. meine mission ein codex zwischen den noten. mein kontakt, ein feuerball. die anziehung unbezwingbar.

1i “derjenige, der ein WARUM zum leben hat, kann fast jedes WIE ertragen.” (f. nietzsche)
komisario. du gehst deinen weg. ich gehe meinen weg, schreibst du, ich tue, was ich tun muss. ohne mir die frage nach dem glück zu stellen. meine ziele geben mir energie und kraft. der weg zum ziel ist ein abenteuer, und es ermöglicht mir, zu lernen und zu verstehen und hoffentlich mit jedem tag etwas weiser zu werden.
was ist dein ziel?
du gehst.
die einsamkeit dein bester freund. gerade, krumm, wie es kommt.
die wellen schlagen, der geist treibt. weiter. immer weiter.
konventionen: kein thema mehr. es heisst zu gehen. dem inneren strom, dem willen, einem traum zu folgen. getrieben. angstlos. ausgeliefert nur dem schreien, das aus dir schallt. trance in permanenz. boum, boum, boum, das pochern des herzens. nicht im geist verankert. rein der körper. das adrenalin, das den ultimativen kick zum erreichen, zum fliegen, zum sprung in das unsagbare ermöglicht.

leere.
raum.
ist es die freiheit, die dich geisselt, treibt, besticht, fesselt und auch lebendig macht?
ich bewundere dich, wundere mich. komisario, du bist der meister des freien falls.
wie war das, als ich selbst, im alter von 4 jahren, von den schultern eines 20-jährigen gefallen bin. weiss mein gurt, seiner schwarz. judo. wie war der aufprall. leicht? schwer? ich habe nur glückliche erinnerungen.
komisario. du lebst. du fällst. du springst. geschmeidig wie eine katze.
immer weiter.
weiter.
wohin geht die reise?
unsagbar.
entscheidend:
du lebst.
das ist komisario.

24

kann kunst einen lebenstraum ersetzen. ist es ein lebenstraum?

woher kommt dieser drang aus toter materie leben zu erschaffen? warum stunde um stunde und tag für tag mit farben, karton, leinwand verbringen nur in der hoffnung, es könne leben geschaffen werden?

siehst du die zwei wasserhähne, der eine rot markiert, stolz, glänzend, er sieht so eitel aus in seiner warmen überlegenheit. und der andere mit dem blauen punkt auf seinem haupt. er hat schon viel gedient. verkalkt, gebeutelt von der arbeit, so tropft er, weil er nicht mehr richtig schliessen kann, der verschluss leckt, und trotzdem, immer seite an seite mit dem roten versucht er doch stetig, diesen zu erreichen, ihn mit seiner standhaftigkeit und treue zu verführen.

es kommt auf den blick an. einzig unser blick gibt allem leben. poesie.

vielleicht hat manch ein alter ausgessener sessel mehr poesie als ein gelackter yuppieschädel.