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malen, dieser unwiderstehliche drang, über mich selbst hinaus zu entgleiten.

meinen kopf zur ruhe bringen, nein, ihn überlisten, stille herstellen durch ablenkung. trance. musik. bewegung. gleichzeitig der totale fokus auf das blatt.

beim malen bin ich der strich. meine totale liebe: die materialität, die farbe. im akt bin ich sie. wenn sie feucht und sinnlich über das papier gleitet, ist das mit einem tiefen vergnügen verbunden.

malen ist für mich ein erotischer akt. ich liebe in einer ganz sinnlichen weise meine stifte, meine farben, bin obsessiv vernarrt in die verschiedenen oberfächen und beschaffenheiten vom papier. selbst meine leinwänder kaschiere ich mit papier. wahrscheinlich hat jeder maler seine fetische. meiner ist papier.

und… das sagenumwobene WEISS, die leere, die ich nun belebe.

ein liebesakt hat kein ziel. genau so ist es bei mir beim malen.

ich gebe mich hin. völlig. forme, erfinde, spüre die striche und formen. reagiere, agiere, liebe. alles. ohne begrenzungen.

theatralik.

ja, geschichten erzähle ich auch. sie entwickeln sich auf dem weg.

ich nehme keine “drogen”, doch so stelle ich mir einen drogenrausch vor. bilder und geschichten, surreal und alltagsuntauglich, geistern durch die phantasie und werden wahr. diese entgleisungen in eine ganz neue und unbekannte welt, DAS bedeutet malen für mich.

und dann: ich frage mich oft, warum menschen seit jahrtausenden malen. einfach nur malen.

warum ist da so wichtig? was passiert da wirklich?

ist es ein pakt mit den göttern?

ein hauch des jenseits, der durch die materie dringt?

die unendlichkeit, die sichtbar gemacht wird?

zeit, die wirklich einmal stehenbleibt und somit dermassen beglückt?

“ach augenblick, verweile doch, du bist so schön.”

indi53

ich habe die zwei seiten in mir.

harekrishna, ruhig, entspannt, ich fühle mich gut und in den lüften.

alles fliesst. ich bin ganz weit entfernt und die frage kommt mir auf: was mache ich hier auf erden, wo doch die engelsglocken schon so schön klingen.

und dann die andere seite.

wenn ich versuche, den schatten aus mir rauszutreiben, mich an den rande des wahnsinns bringe und wo ich mich plötzlich ganz zu hause, hier in der welt fühle.

exstase, die erde pulsiert durch meine adern. ich setzte mich in einen anderen zustand. schalte das denken aus und reagiere rein auf meine bewegung.

ich nehme die farben, stifte, die mir nahe liegen und lasse mich von dem vulkan, den ich leben nenne, zum aufbirsten leiten.

bei diesem zweiten akt der malerei, den ich für mich als fordernder und erlösender empfinde, stehe ich in jedem moment dem abgrund nahe. er reisst an meinen gewohnheiten. kaum kenne und erkenne ich grenzen, andere würden es vielleicht regeln nennen. ich suche den absolut freien zustand zu erhaschen. das irdisch tiefe, das brodeln des kerns, meine seele, so empfinde ich es.

schwindel. ich brauche pausen. es zerrt an meinem mut.

und auch:

ich bin erfüllt mit leben.

ein liebesakt.

in voller sinnlichkeit.

der verstand?

hier nicht.

copyright: eva-d ein gespräch mit claudie.

perspektive, das leben, die essenz liegt im einfachen. das einfache liegt im fernen, sagt sie.

im vordergrund eines bildes der renaissance, die realität. sie meint das konkrete, denke ich, die wiedererkennbarkeit. je mehr der maler dieser epoche, die dinge sich entfernen laesst, sie in die pespektive drueckt, je kleiner und unschaerfer malt er sie. und ist das wahre gerade in diesem entschwinden? dort, wo sich die kontur aufloest und nur noch die essenz uebrigbleibt?

sie erzaehlt mir von einer novelle stendhals. anfangs wird eine komplexe kulisse aufgebaut, napoleon, historische daten, krieg, stimmen, dialoge, die doch eigentlich nur austausch verbaler pflichten und konventionen sind. tumult, laut ist es, durcheinander, so total und ganz an der realität. derweil, ein mann und eine frau verlieben sich. und je weiter der roman schreitet, desto mehr verschwindet die äussere kulisse und übrigbleiben die beiden und ihre liebe. keine worte mehr, nur noch gedanken. nicht sagt die frau, sondern sie scheint sagen zu wollen, ein gedachter dialog, der ihr schweigen umhuellt.

stille, eine allumfassende einheit mit sich und dem moment.

die beiden: ihr aussen verschwindet, sie lösen sich selber auf. auf ende sterben sie. glücklich gehen sie in den tod, so berichtet claudie mir.

meine bilder, das sind die ungelebten teile meinerselbst. das sind die schatten, die sich durch mich ziehen. ungezügelt, unzensiert wüten sie durch die steppe. abweisung oder furcht gibt es in dieser welt nicht.

ich liebe die malerei.

das grösste lob, dass mir ein freund vor jahren machte, war, als er mir sagte, er habe mit mir gelernt, auch einfach mal schlecht sein zu können und sein befreites lächeln dabei war schön.

meine bilder sprechen von liebe.

liebe bedeutet für mich die völlige akzeptanz aller teile. gut, schlecht, diese notionen existieren hier nicht.

 

copyright: eva-d

 

kunst ist freiheit, freiheit, freiheit!

in einer zeit der immer grösseren kontrollierbarkeit, in der unter dem deckmantel der fortschrittlichkeit im wahrsten sinne jeder fort-schritt, also jedes “weg von der menge” beobachtet und gespeichert wird, ist der moment, wenn ich allein über dem papier schwebe und einfach nur meiner phantasie und lust folge, ein so grosser reichtum.

 

 

copyright: eva-dist malen ein manischer drang?

meditation, suche nach sinn, sucht nach intensität und selbstausdruck, ein kloster der einsamen und träumer?

grenzenloses grenzenüberschreiten.

der wunsch nach zärtlichkeit und geborgenheit.

endlich ausatmen. einen atem zu ende führen. kein stopp.

dramen leben und erleben, schreien, lieben. rücksichtlos. nur der blick kann noch begrenzend dazukommen.

die wirkliche kunst scheint mir zu sein, offenen auges die augen zu schliessen.

ich erinnere mich an meinen autounfall.

ich wusste, es gibt keinen ausweg mehr. der LKW würde in wenigen sekunden auf mein auto schlagen und mein auto durch die luft wirbeln. auf der autobahn. 110 km/stunde.

meine einzige frage: sollte ich das steuer loslassen und mich in mich zusammenkugeln, die arme vor den augen, um diese, meine pforten zur welt, zu schützen?

dieser moment, diese entscheidung, die existentiellste, die ich in meinem leben gefühlt hatte, und sie liess sich so leicht  treffen. gefühlte stärke, zuversicht, ich liess los.

liess los und die bestimmt schillernsten farben, die ich bisher und seitdem gesehen hatte, wurden mir geschlossenen auges sichtbar. ruhe. die absolute schönheit und faszination, währenddessen es einen riesen knall und metallernes krächzen im hintergrund gab.

mir ist das loslassen nie so leicht gefallen wie in diesem moment zwischen tod und leben. nie war es so unglaublich beruhigend.

ich hatte getan, was mir richtig erschien. ohne zweifel. heldenhaft, so verspürte ich es. stark. weich. dem schicksal ergeben.

malen.

darum male ich.

weil ich eine mission habe. so fühle ich es seitdem.

so weiss ich es.

“die normalität ist eine gepflasterte strasse; man kann gut darauf gehen, jedoch wachsen keine blumen auf ihr.” (vincent van gogh)

019schwärze. linie. geballte dunkelheit. nacht.

weiss. die offene ebene. unberührt.

201fliessen, hiebe, ich lache laut auf. der strich verzerrt. ein mund wird sichtbar. schräg. augen. wieviel ein leichtes schielen den ausdruck verstärkt.

202es sind diese unebenheiten.

ein hall.

aus dem nichts, jetzt, resonanz.

011ES sieht mich an.

226diese gestalten.

wie ein bienenstock. es schwirrt, summt, ES surrt.

303malen heisst, die box, die um mich ist, abzulegen. nackt. durchlässig.

eine nomadin im eigenen leben. ankerlos treibend im fluss der geister.

305wer sind sie?

362ich male. male. wann verebben sie? verebben die geister überhaupt oder wird mit jedem neuen eine vielzahl neuer geboren?

malen heisst die unendlichkeit körperlich zu spüren.

solange meine geister leben, lebe auch ich, denke ich.

335die gepflasterte strasse birst. blumen.

copyright: eva-done of these days.
die starrheit einer person ist ihr untergang.
malerei: weichheit.
weich sein, offen, flexibel.
das gras neigt sich im wind, selbst ein tritt erschüttert es nicht.
die quelle, die nahrung, sie kommt aus dem grund. wasser.
reines wasser, das strömt. im fluss sein. bazrima.
die malerei ist EIN weg, das leben zu erfahren. es gibt so viele andere. denke ich.
ich weiss es nicht.
doch ja, ich weiss es.
die malerei ist dieses riesen experimentierfeld für das, was das leben ist.
die malerei ist ein wegweiser für das, was ein leben sein könnte und sein kann.
für das, was leben ist.
malerei ist materialisiertes und verewigtes denken und träumen.
in jedem moment einen schritt weiter gehen. grenzen sprengen.
die farbe, der strich, die form, all das hat eine riesen anziehungs- und verführungskraft.
jenseits der sprache.
schönheit PUR.
einzig fühlen und sich führen lassen.
ein spiel mit der erfahrung LEBEN.
ohne, dass es schmerzt.
die leinwand schweigt.
so scheint es.
sie liebt dich, wenn du du sie liebst.
sie blockiert dich, wenn du blockiert bist.
der spieltrieb im menschen… vielleicht das einzig menschliche.
weil er so ziellos ist,
und einfach lebt,
im jetzt.
what will be, will be.

copyright: eva-dkomisario zählt stiere. andalusien. 

es seien mehr kühe und kälber als stiere. verliebt, ja, er ist schon verliebt.

vom ungezähmten musiker, schlagzeug, dann gezähmt, klarinette im wiener orchesterleib, institutionell kämpfend im verwaltungsstaat frankreich, türenschlagen, weiter hin zum wilden osten, berlin.

die haare rasiert. profil,  das sich zeigt. basto rocks against establishment. roh. leidenschaftlich. wieder er.

erste kompositionen, rhythmen, farben, tempo und trieb.

woher nur die basis nehmen?

gold. 

jahre im sog nach dem süssen glück.

heute die nachricht: ich zähle stiere. ich bin verliebt.

copyright: eva-dich frage mich, warum suchen maler mit beginn der moderne so verkopfte konzepte. oder präziser, spätestens seit dem 20. jahrhundert. oder auch erst seit den 50-ern, nachdem der teufel über die welt gejagt ist? horror. terror. die tiefsten zeiten, die unsere welt je erlitten hat, jedenfalls, was unsere erinnerung betrifft.

diese riesen angst vor der emotion – das resultat?

copyright: eva-dund schon kommt mir auch wieder der zweifel. das mittelalter. all die allusionen, symboliken, christus geschichte, und vor allem: das leid. die hölle, ja, hier darf die phantasie ihren lauf nehmen. es wird gefoltert, gequält, horror in farbigsten formen.

copyright: eva-ddas sind meine eindrücke. verallgemeinerungen. bestimmt.

doch, was ist malerei?

gibt sie einen sinn? ich meine einen in worten formulierbaren?

copyright: eva-ddie musik ist so wunderbar sinnentfernt, scheint es.

sie ist emotion. pur.

copyright: eva-dliebe. glück. tragik. trauer. schrei. aber moral? nein, das braucht sie nicht.

das kann sie nicht, werden einige sagen. sie ist ja “nichts”. nichts konkretes, meine ich. meinen sie. wahrscheinlich.

ja, und gerade da ist ihre chance.

copyright: eva-dich möchte malen, als sei es musik.

emotion pur.

das auge ist analytisch. so sind wir verhaftet am wissen wollen. das ist ihre saure versuchung, der malerei’s bitterer apfel.

wie komme ich raus aus dem verstehen-wollen und hin zum einfachen fühlen?

musik: töne. geräusche.

die ersten eindrücke in unserem leben. im mutterleib. unsere augen sind verschlossen. doch wir HÖREN. der rhythmus des herzens. emotion. der schnelle atem bei angst. der entspannte bei wohlbefinden.

wie schaffen wir es, das auge des (rationalen) sinns zu entleeren und schlicht zu fühlen?

heute bin ich sehr glücklich.

copyright: eva-dich bin verliebt in das leben und das verbindet mich mit der ganzen welt.

und gerade diese liebe möchte ich in meinen bildern wiedergeben. so kitschig das klingt.

liebe schafft verbindungen. und malerei, kunst, ist verbindung.

das, und nur das, interessiert mich.

verbindung.