komisario

 

ko-mi-sa-ri-o

segler der welten, stern der schönheit. du hast dein leben dem abenteuer und der sinnlichen freude verschrieben. ich würde wirklich gern wissen, wer du bist. du bist getrieben und bessessen von deinem traum einer besseren welt.

gesucht: den puritanen geburtststandort mit einer prise von verrücktheit und beisssendem quadratenmarsch als ansporn gleich zu lebensbeginn.

jetzt: singulär, keiner gemeinschaft verpflichtet, was er tut, das aus idealismus und dem unerschütterlichem glauben an gerechtigkeit.

sein blick lässt bäume springen wurde mir berichtet.

des nächtens wird er du lustig, ein lebemensch heisst es. 

seine augen, blau wie die ferne. seine haare, rot wie die glut.

seemann, komm bald wieder…

mir zittert der pinsel, komisario zerschmettert atome und lässt die quanten springen. grenzen gibt es keine auf seinem planeten. alles ist geballte kraft.

“logic takes you from A to B. imagination takes you everywhere. albert einstein”, so schrieb er mir.

 

 

 

 

 

copyright: eva-d
der twist: grossvater ja banjospieler im osloer underground der 20-er, mutter baptistische kirchendiva, komisario im alter von 10 will schlagzeug spielen. die mutter kreischt wie immer: welch teufelswerkzeug! der sohn setzt sich durch, vater bringt den sohn geflissentlich zum unterricht, die augen keusch bedeckt gehalten vor des lehrers höllenanblick: tattoos, strammes sixpack, grazile nymphen im evakleid grossformatig die wände füllend.

der unverwüstliche wille wurde komisario in die wiege gelegt, der anarchische rhythmus des trommelschlags, das nervöse pulsieren der hihat wie sie sinnlich über die scheibe zurrt, wahrscheinlich sind hier die ersten spuren seines tobenden blutes in schwingung gekommen. komisario spielt keine musik. komisario ist musik. wild, impulsiv, haarscharf in seinem selbst erfundenen takt.

der weitere werdegang, bulimisch. klassik, jazz, pop, experimental, komisario jagt durch die universen. nirgends bleibt er hängen, überallhin kommt er wieder zurück, um erneut zu entschwinden.

seine auftritte als schlagzeuger verwehren ihm die eltern. komisario schmeisst mit 17 die schule. er will musik machen. ein letzter versuch der eltern ihn auf die sanfte bahn zu lenken: klarinette. er geht nach wien. studiert bei alfred prinz, spielt im orchester. das jähe ende dieser karriere: sein kiefer leidet unter der täglichen dressur. komisario wird “kapellmeister”, erste auträge als dirigent. zurück nach frankreich, paris. zeitgenössiche musik. er hat nun ein schwedisches ensemble, das er in die stadt der lichter bringt.

copyright: eva-dkomisario leidet. zu nah ist diese musikantenszenerie in ihrem bigotten gewand seinem puritanischen ursprung, der baptischen gemeinde. hörig. verschlossen. in den adern rinnt nur gesetztes anpassertum.

komisario beginnt zu komponieren. allein, sein computer bebt. er ist er, wieder: töne jagen, schlagen, ein jähes stoppen um gleich danach mit einer anderen achterbahnfahrt zu übermannen.

geldnot.

jahre der musikalischen enthaltsamkeit.

komisario erfindet sich neu. abenteurer. weltensegler. jetzt sucht er das gold that makes the world go around.

träume von finanzieller unabhängigkeit. mit dem gold will er eigene welten schaffen. musik. spektakel. delirium.

die musik steht schon lange nicht mehr auf dem notenblatt. kaum ein sound tobt noch durch den computer.

sein unbändiger drang nach leben und pulsieren, rhythmus und atmen hat sich in die welt gelegt. geballte energie im irdischen anzug. die verpuppung platzt.

copyright: eva-d

ist er ein lyti?

ich schlängele im rätsel. 

so viele irdische indizien. er könnte existieren, physich. genau wie musik physich existiert? schlangen winden sich durch das rückrat. ihre blicke verwandeln steine in schlösser.

ich bin agent008. meine mission ein codex zwischen den noten. mein kontakt, ein feuerball. die anziehung unbezwingbar.

copyright: eva-d

die mutter komisarios, diese schöne norwegerin, ein enfant terrible, doch, ganz anders als es dieser term erwarten lässt. 
selber ist sie aus einem haus genialer bestimmungen: vater banjospieler im bristol hotel, und damit einflussreicher akteur des osloer undergrounds der 30ger und 40ger jahre, dann, unter der deutschen besatzungsmacht, erster schneider, und natürlich, weiterhin lebemann und grenzenlos. ihre mutter, dekadent, verwöhnt, später komme ich zu ihr zurück. und die brüder, der eine seefahrer und medizinstudent in basel, wo er erkankte und schon mit 32 verstarb. seine geliebte: eva. diese lebt noch heute im fernen norwegen, nun um die 90 jahre alt, und wie es heisst, habe sie seit dem tod ihres geliebten nie wieder einen mann geküsst. ihr unerschütterlicher glaube: die wahre liebe. der andere bruder, der war verrückter. erfinder, maler, überaufgeregtes genie und kreateur vieler kinder schon in frühem mannesalter. er liebte die frauen. er liebte das abenteuer. auch er zu jung gestorben. sein 30-jähriges leben derweil das eines 150 jährigen zu füllen vermag. und dann auch noch die schwester, die jüngste, verhätschelt von den eltern, fruchtig wie ein erdbeertörtchen, die cremig blonden locken kokett zu pferdeschwänzen gebunden. sie wurde schon im jungen mädchenalter geehelicht, gerade 18 war sie. ihr mann, ein wohlhabener libanese, betört von ihrer schönheit und derer süsse. sie ziehen gemeinsam in seine heimat nach beirut, schwelgen im familiären reichtum, dort, bis im land ein blutiger bürgerkrieg ausbricht und sie samt familie in ihrem heimatland norwegen zuflucht suchten. hier litt ihr mann ganz jämmerlich: um seinen stand und den reichtum gebracht, die famile war fern, das neue land eisekalt. er verstarb nur einige jahre nach seiner ankunft, arm und zerrüttet.
und komisarios mutter? wie konnte eine revolte in solch befreiten familienverhältnisses anders aussehen, als sich jung in erstem pubertären aufbegehren der städtischen heilsarmee anzuschliessen und jesu psalmen unter den armen und bescheidenen zu beschwören. fromm, gewissenhaft und, aber, natürlich exessiv, so wie es ihrer natur entspricht. 
in diesem rahmen auch, da traf sie ihren späteren mann, komisarios vater, den pastor. sie war verführt von dessen gradlinigkeit und bodenständigkeit, vermischt mit diesem seltsam aristokratischen glanz. 
sie heiraten und er nimmt sie mit auf evangelistische mission nach frankreich.
der vater, der hatte den glauben in stiller stunde, da war er noch ganz jung, an einem see eingeflüstert bekommen. die entsagung und das schlichte leben, die taten ihm kein unwohlsein. die mutter hingegen, aus liebe zu ihrem mann und vom frommen abenteuer betört hierhergekommen, die sollte ganz schwerlich leiden. zu viel lebenslust in ein bigottes kleid gepresst. als mutter selbst war sie harsch und leidenschaftlich und mit grossem drill in ihrer erziehung.
wo sie litt, dort sollten auch die kinder nicht zu ihrer freude finden.
so war die überzahl weltlicher literatur verboten, fernsehen ein instrument des teufels und jegliche musik jenseits der göttlcihen orgelklänge ein disaster und verbot.
in diesem klima: komisario wird geboren. der dritte im bunde. einer zuviel. ein kleiner teufel mit roten haaren.

copyright: eva-dkomisario träumt.

komisario hat die fähigkeit, visionen ein leben zu geben. nicht die materie, beackert und gejähtet, steht bei ihm im vordergrund, sondern die idee, die völlig neue leben schafft.

am anfang steht das wort.

einschnitt: sonntag sah ich meinen fast 80-jährigen onkel, der vor beinahe zwei jahren wochen im vollkoma gelegen, dessen kopf halb aufgesägt worden war, das gehirn wieder zurechtgerückt, und dem auf ärztliches drängen die apparate abgeschaltet werden sollten. sonntag nun, da lachte er, erzählte und sprudelte vor einfällen, ass allein und trank ganz freudig und war zuvor gekommen, wenn auch aufgestützt, stolz zu unserem familienfest. er strahlte vor glück und lebensfreude.

wie hatte er das geschafft, so fragte ich ihn, ward ihm doch eine zukunft als vollassistiertem “etwas” prophezeit worden. 

da wackelte er ganz ungehalten und im takt mit seinen ohren. “ganz genauso”

“ich konnte nicht mit den ohren wackeln. da habe ich meine gesichtsmuskeln ausprobiert, lange und intensiv, und mir dann ganz fest vorgenommen, jetzt wackel ich mit den ohren. es gab ein knacken, und dann, dann haben sie gewackelt und ich habe es auch nie wieder verlernt. ganz genauso habe ich mir, als ich nach dem koma monatelang in totaler lähmumg im krankenbett lag, vorgenommen, dass ich mich wieder bewegen kann. erst die hände, dann die arme, und nun gehe ich auch schon wieder. mein nächster schritt, ich möchte reisen.”

am anfang steht der gedanke. und die freiheit. die freiheit, das unglaubliche zu glauben.

so werden paradiese geschaffen.

komisario wirbelt, zwirbelt. er ist die katze, die lange unter der mauer sitzt und sie einfach nur zu betrachten scheint. die katze, die plötzlich springt und dann auf der schier unmöglich zu erklimmenden mauer sitzt. hier oben lässt es sich träumen.

komisario träumt.

copyright: eva-dkomisario.

teufelsaustreiber. der harte weg. geh. begegne ihm, dem teufel. heul. schrei. lass ihn dir ganz nah kommen. umarm ihn. dring in ihn ein. tiefer im müll, in der schwarzen sauce. du durchnistest das letzte gewölbe. schrei. wild. aber spass soll es machen.

du spannst die fäden von weitem.

komisario.

führung.

immer habe ich die führung gescheut.

du bist der dirigent.

copyright: eva-dsagenumwoben ganz in meiner eigenen geschichte. mein drama. wer weiss, ob du existierst.

tu ich das für die lytis?

woher kommt der drang?

brahms. immer wieder brahms. ging jener des nachst in übercodierte abenteuer? warum suchte dieser die tabubeschwängerte overdosis ganz dieselbe negierend?

was ist kunst?

copyright: eva-ddie frage matert meinen kopf. komisario insistiert. immer wieder. er lässt nie los. beständigkeit im ständigen nervenzusammenbruch. 

komisario ist ein perfektionist. soviel habe ich erfahren können. er treibt. er liebt den schweiss. chinese factory: rückmeldungen, die ich bekomme. komisario. was treibt dich an?

komisario, deine forderungen sind nicht leicht.

1i “derjenige, der ein WARUM zum leben hat, kann fast jedes WIE ertragen.” (f. nietzsche)
komisario. du gehst deinen weg. ich gehe meinen weg, schreibst du, ich tue, was ich tun muss. ohne mir die frage nach dem glück zu stellen. meine ziele geben mir energie und kraft. der weg zum ziel ist ein abenteuer, und es ermöglicht mir, zu lernen und zu verstehen und hoffentlich mit jedem tag etwas weiser zu werden.
was ist dein ziel?
du gehst.
die einsamkeit dein bester freund. gerade, krumm, wie es kommt.
die wellen schlagen, der geist treibt. weiter. immer weiter.
konventionen: kein thema mehr. es heisst zu gehen. dem inneren strom, dem willen, einem traum zu folgen. getrieben. angstlos. ausgeliefert nur dem schreien, das aus dir schallt. trance in permanenz. boum, boum, boum, das pochern des herzens. nicht im geist verankert. rein der körper. das adrenalin, das den ultimativen kick zum erreichen, zum fliegen, zum sprung in das unsagbare ermöglicht.

leere.
raum.
ist es die freiheit, die dich geisselt, treibt, besticht, fesselt und auch lebendig macht?
ich bewundere dich, wundere mich. komisario, du bist der meister des freien falls.
wie war das, als ich selbst, im alter von 4 jahren, von den schultern eines 20-jährigen gefallen bin. weiss mein gurt, seiner schwarz. judo. wie war der aufprall. leicht? schwer? ich habe nur glückliche erinnerungen.
komisario. du lebst. du fällst. du springst. geschmeidig wie eine katze.
immer weiter.
weiter.
wohin geht die reise?
unsagbar.
entscheidend:
du lebst.
das ist komisario.

copyright: eva-dkomisario zählt stiere. andalusien. 

es seien mehr kühe und kälber als stiere. verliebt, ja, er ist schon verliebt.

vom ungezähmten musiker, schlagzeug, dann gezähmt, klarinette im wiener orchesterleib, institutionell kämpfend im verwaltungsstaat frankreich, türenschlagen, weiter hin zum wilden osten, berlin.

die haare rasiert. profil,  das sich zeigt. basto rocks against establishment. roh. leidenschaftlich. wieder er.

erste kompositionen, rhythmen, farben, tempo und trieb.

woher nur die basis nehmen?

gold. 

jahre im sog nach dem süssen glück.

heute die nachricht: ich zähle stiere. ich bin verliebt.

copyright: eva-dkomisario. unentwegt und straight, immer deinem weg folgend. komisario, woher hast du bloss deine kraft?

schreiben.

wenn ich schreibe, habe ich nur fragen.

welche prätention, scheint es mir, einfach zu schreiben. klare sätze. aussagen. als sei es wahr.

mir entzieht sich beständig diese selbstgewissheit. das, was ich sage, was ich schreibe, sei wahr.

was ist wahr?

komisario setzt sich ein für den weltfrieden, die gerechtigkeit in der welt. alles kann so einfach sein.

glatteis. blitzeis.

ich falle. rutsche.

endlich raus aus diesen gefilden der dunkelheit. der kälte. eis.

wohin?

können striche mir die sicherheit geben? ist es illusion?

mich nervt, stört, langweilt mich selbst, dass es diese fragezeichen gibt. immer und permanent und immer und ewig.

endlich eine antwort finden. ein zuhause. ein angekommensein.

und wenn es auch auch nur die öde des wissens ist. wissen bedeutet sicherheit. tod?

warum beenden wir, ich, eigentlich ein bild?

notwendigkeit?

niemals…… lust könnte ich es nennen.

und ganz einfach auch: beenden, weil es zu ende IST.

ich weiss auch nicht genau, warum ich male.

es ist so wie eine goldgräberin. ein goldgräber.

ich kratze und reisse und hoffe: da kommt noch etwas. was?

die erleuchtung? des rätsels lösung?

charc3komisario schuftet weiterhin. jeden tag.

er kämpft mit den tigern im käfig. sie lächeln. ja, er ist stark. er blickt ihnen klaren auges in die ihrigen. aber niemals, niemals, oh, drehe er sich um und kehre ihnen wohlwollend den rücken zu. niemals, niemals, komisario, lasse deine schultern hängen und werde weich, nur weil sie dir so liebwollende und schmeichelnde blicke entgegenbringen.

jedes empathische zucken in seinen gliedern wird als einladung zum angriff gesehen. nur kampf macht freude. kampf um des siegens wegen. siegen. wofür, das ist irrelevant.

komisario erschlafft niemals, müdigkeit kennt er nicht, er IST besessen. doch, und das ist des archilles ferse, komisario fühlt. komisario ist sentimental und menschenfreund dort, in dieser neuen welt, wo nur die blanken zähne zählen.

seine augen tiefrot vor anmut und hoffnung. unterdückter anteilnahme.

komisario, wie lange wirst du diesen kampf führen können, dessen stählerndes skelett du doch gar nicht trägst.

ich male und ich erträume mich in eine rosige welt, beschwöre die geister und male meine zaubersprüche jeden tag. nur so wirkt zauber. hoffnung. zuversicht.

ich überzeuge mich jeden tag neu und lasse die farben fliessen und die striche ihre geschichten erzählen.

rot…. ich will. ich muss. ich kann und ich darf.

niemand ist meiner malerei polizist.

nur hier bin ich wirklich frei.

—– lassen.

der vater eines nahen freundes liegt im sterben.

das macht mich sehr betroffen.

ich kenne den vater nicht.

tod.

tod1komisario. magier der worte. lebender in den visionen. immer auf morgen gerichtet. „heute“, „heute, das ist ein entscheidender tag. DER tag.“

täglich, immer wieder mit der neuen begeisterung und enthusiasmus: DER tag.

entscheiden, ent-scheiden, das bedeutet, das messer aus der scheide zu ziehen, und zu töten. allen anderen möglichkeiten zugunsten, oder ungunsten, dieser einen wahl zu töten.

wird uns erst im moment des scheidens, des sterbens, das wirkliche leben gewahr?

selbst, wenn es sich um einen recht fernen tod handelt. den tod einer person, der wir „nur“ über bezugspersonen verbunden sind?

und was bedeutet das für die kunst?

ist malerei nicht das sinnbild für den tod?

im moment des striches, der so quirlig und geladen über das blatte schwirrt, ist er auch schon… tot.

der strich, wenn wir ihn sehen, die spur, die er hinterlassen hat, hat er auch schon sein potential aller möglichkeiten verlassen und auf, für diesen EINEN moment entschieden.

will der maler leben schaffen, weil er jeden tod in graphit meisselt?

er hält das leben auf, archiviert es, macht das vergangene sichtbar und erfühlbar.

malerei: das kondensat aller möglichen zeitformen.

das jetzt, weil ich es im moment produziere, das vergangene, da mit dem sichtbarmachen schon die vergangenheit ver“steinert“ wird, das morgen, da sich jedes bild wieder tausendfach interpretieren lässt und in jedem moment neu empfunden werden kann.

zeit…. das ultimative mysterium*