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wagen zu träumen, das bedeutet malerei und kunst im weitesten sinne für mich.

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in politischen diskussionen gehen die welten der “träumer” und der “realisten” weit auseinander.

es heisst bei “realisten”: lerne aus der vergangenheit. was immer schon so war, das wird wieder so kommen, auch wenn gerade dies angesichts der grausamen momente der geschichte zu vermeiden versucht wird. ein paradox in sich. gefangen im hamsterrad des grauens wird krieg mit krieg beantwortet. die aufrüstungs- oder sei es verteidigungsmaschinerie macht milliarden.

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der künstlerische akt hingegen bezeugt, dass in jedem moment, und immer wieder neu, verändertes bewusstsein auf das blatt kommen kann.

beim malen habe ich kein bewusst analytisches lernen aus dem gestern, sofern ich mich auf den weg der erkenntnis begebe.

mit er-kennen meine ich, immer wieder andere möglichkeiten und potentiale aufzudecken und dabei das wagnis des völlig leeren raums ohne historie einzugehen.

die welt des künstlers liegt, so aus meiner sicht, in der sphäre der visionen, dem aufzeigen potentiell lebenswerter (gesellschafts-)modelle. jede freiheit in der kunst ist für mich gleichzusetzen mit einer potentiell lebbaren freiheit eines jeden.

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ich bin tief davon überzeugt, dass ein verändertes bewusstsein auch veränderte realitäten schaffen kann.

nein, krieg muss möglicherweise doch nicht mit krieg beantwortet werden, nur weil es schon seit jahrtausenden so gemacht wird.

in der kunst geht es weder um agitation noch um aktion. bilder sind sinnlich erfahrbare bewusstseinsmodelle, wie ich denke.

und hier könnte der ansatz der kunst in der politik hilfreich sein:

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sich erlauben, und sei es auch nur für momente, erfreuliche gedanken zu erschaffen, ohne zensur, also ohne das muss einer sofortlösung im sinne eines traditionellen aktionplans, zu denken. tagträumen von einer schönen welt.

jenseits jeden realismus, den gedanken wagen, dass eine welt im frieden möglich sein könnte.

das wäre eine r-evolution.

 

 

copyright: eva-d ein gespräch mit claudie.

perspektive, das leben, die essenz liegt im einfachen. das einfache liegt im fernen, sagt sie.

im vordergrund eines bildes der renaissance, die realität. sie meint das konkrete, denke ich, die wiedererkennbarkeit. je mehr der maler dieser epoche, die dinge sich entfernen laesst, sie in die pespektive drueckt, je kleiner und unschaerfer malt er sie. und ist das wahre gerade in diesem entschwinden? dort, wo sich die kontur aufloest und nur noch die essenz uebrigbleibt?

sie erzaehlt mir von einer novelle stendhals. anfangs wird eine komplexe kulisse aufgebaut, napoleon, historische daten, krieg, stimmen, dialoge, die doch eigentlich nur austausch verbaler pflichten und konventionen sind. tumult, laut ist es, durcheinander, so total und ganz an der realität. derweil, ein mann und eine frau verlieben sich. und je weiter der roman schreitet, desto mehr verschwindet die äussere kulisse und übrigbleiben die beiden und ihre liebe. keine worte mehr, nur noch gedanken. nicht sagt die frau, sondern sie scheint sagen zu wollen, ein gedachter dialog, der ihr schweigen umhuellt.

stille, eine allumfassende einheit mit sich und dem moment.

die beiden: ihr aussen verschwindet, sie lösen sich selber auf. auf ende sterben sie. glücklich gehen sie in den tod, so berichtet claudie mir.

copyright: eva-dkomisario träumt.

komisario hat die fähigkeit, visionen ein leben zu geben. nicht die materie, beackert und gejähtet, steht bei ihm im vordergrund, sondern die idee, die völlig neue leben schafft.

am anfang steht das wort.

einschnitt: sonntag sah ich meinen fast 80-jährigen onkel, der vor beinahe zwei jahren wochen im vollkoma gelegen, dessen kopf halb aufgesägt worden war, das gehirn wieder zurechtgerückt, und dem auf ärztliches drängen die apparate abgeschaltet werden sollten. sonntag nun, da lachte er, erzählte und sprudelte vor einfällen, ass allein und trank ganz freudig und war zuvor gekommen, wenn auch aufgestützt, stolz zu unserem familienfest. er strahlte vor glück und lebensfreude.

wie hatte er das geschafft, so fragte ich ihn, ward ihm doch eine zukunft als vollassistiertem “etwas” prophezeit worden. 

da wackelte er ganz ungehalten und im takt mit seinen ohren. “ganz genauso”

“ich konnte nicht mit den ohren wackeln. da habe ich meine gesichtsmuskeln ausprobiert, lange und intensiv, und mir dann ganz fest vorgenommen, jetzt wackel ich mit den ohren. es gab ein knacken, und dann, dann haben sie gewackelt und ich habe es auch nie wieder verlernt. ganz genauso habe ich mir, als ich nach dem koma monatelang in totaler lähmumg im krankenbett lag, vorgenommen, dass ich mich wieder bewegen kann. erst die hände, dann die arme, und nun gehe ich auch schon wieder. mein nächster schritt, ich möchte reisen.”

am anfang steht der gedanke. und die freiheit. die freiheit, das unglaubliche zu glauben.

so werden paradiese geschaffen.

komisario wirbelt, zwirbelt. er ist die katze, die lange unter der mauer sitzt und sie einfach nur zu betrachten scheint. die katze, die plötzlich springt und dann auf der schier unmöglich zu erklimmenden mauer sitzt. hier oben lässt es sich träumen.

komisario träumt.

copyright: eva-d

 

kunst ist freiheit, freiheit, freiheit!

in einer zeit der immer grösseren kontrollierbarkeit, in der unter dem deckmantel der fortschrittlichkeit im wahrsten sinne jeder fort-schritt, also jedes “weg von der menge” beobachtet und gespeichert wird, ist der moment, wenn ich allein über dem papier schwebe und einfach nur meiner phantasie und lust folge, ein so grosser reichtum.

 

 

copyright: eva-d“… weil es die schönheit ist, durch die man zur freiheit wandert.”

friedrich schiller in seinen briefen über die ästhetische erziehung des menschen: so lange ich denken kann, ist das mein lieblingszitat.

schönheit, freiheit und wandern.

freiheit, dieser vielumwobene begriff.

schönheit, genauso mythentragend.

wandern, in meinen assoziationen beschreibt das eine tätigkeit, ein schreiten auf ein ungewisses ziel hinzu, geprägt von eindrücken intensiv gelebter zeit ohne haus und habe. ich könnte es auch nennen eine reise im eigentlichen jenseits von kodierungen und verfestigten vorstellungen.

es fällt mir so schwer, in dieser zeit gefüllt von unrecht und unfreiheiten den begriff schönheit der freiheit anheim zu stellen. es scheint mir eine blasphemie, und gerade dieses innere sträuben zeigt mir, wie politisch das zitat ist und wie radikal die “schönheit”.

schönheit bedeutet für mich leben dort wo es frei von ideologien und eindeutigkeiten ist. der raum, wo gefühle ihre daseinsberechtigung haben und erfahren werden jenseits von gut und böse.

schönheit wird mit kunst assoziiert, und ich verstehe das. in der kunst erfährt, erwandert man das experiment freiheit. es handelt sich in der kunst um kein gesellschaftliches konzept, das versucht möglichst vielen in ihrem wunsch nach einem erfüllten würdigen leben gerecht zu werden, sondern die kunst ist ein ganz singuläres erlebnis, für den betrachter genauso wie für den künstler.

vielleicht ist die freiheit als politikum eine wunderbare utopie, zu der es zu streben gilt.

die freiheit als singuläres erfahren ist jedoch gewiss real und machbar.