copyright: eva-dneumond.

malerei ist dem mond gleich.

es ist ein pulsieren. ein strahlen. ein schatten. ein kommen und gehen von einsicht. der grund bleibt beständig.

das aufbrechen in neue und fremde ufer.

ist der mond nicht verantwortlich für ebbe und flut?

so lange es eine sonne gibt und auch eine nacht, so lange werde ich malen.

malerei, farbe und striche, linien, gezeichnete geschichten, all das ist materialisierte form des lebens. spuren meiner vergänglichkeit.

das gerade-eben: wohl kenne ich es nirgends so scharf wie in der malerei.

das laken nach einer liebesnacht wird gewaschen.

die leinwand, sie behält diesen sakralen akt als höchstes gut.

ich liebe die malerei. ich liebe die bilder, die dabei entstehen. sie erinnern mich an mein gestern.

mein blick gibt ein heute.

und morgen, da male ich wieder.

copyright: eva-dkomisario träumt.

komisario hat die fähigkeit, visionen ein leben zu geben. nicht die materie, beackert und gejähtet, steht bei ihm im vordergrund, sondern die idee, die völlig neue leben schafft.

am anfang steht das wort.

einschnitt: sonntag sah ich meinen fast 80-jährigen onkel, der vor beinahe zwei jahren wochen im vollkoma gelegen, dessen kopf halb aufgesägt worden war, das gehirn wieder zurechtgerückt, und dem auf ärztliches drängen die apparate abgeschaltet werden sollten. sonntag nun, da lachte er, erzählte und sprudelte vor einfällen, ass allein und trank ganz freudig und war zuvor gekommen, wenn auch aufgestützt, stolz zu unserem familienfest. er strahlte vor glück und lebensfreude.

wie hatte er das geschafft, so fragte ich ihn, ward ihm doch eine zukunft als vollassistiertem “etwas” prophezeit worden. 

da wackelte er ganz ungehalten und im takt mit seinen ohren. “ganz genauso”

“ich konnte nicht mit den ohren wackeln. da habe ich meine gesichtsmuskeln ausprobiert, lange und intensiv, und mir dann ganz fest vorgenommen, jetzt wackel ich mit den ohren. es gab ein knacken, und dann, dann haben sie gewackelt und ich habe es auch nie wieder verlernt. ganz genauso habe ich mir, als ich nach dem koma monatelang in totaler lähmumg im krankenbett lag, vorgenommen, dass ich mich wieder bewegen kann. erst die hände, dann die arme, und nun gehe ich auch schon wieder. mein nächster schritt, ich möchte reisen.”

am anfang steht der gedanke. und die freiheit. die freiheit, das unglaubliche zu glauben.

so werden paradiese geschaffen.

komisario wirbelt, zwirbelt. er ist die katze, die lange unter der mauer sitzt und sie einfach nur zu betrachten scheint. die katze, die plötzlich springt und dann auf der schier unmöglich zu erklimmenden mauer sitzt. hier oben lässt es sich träumen.

komisario träumt.

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kreation hat für mich etwas mit konzentration, also reduktion zu tun.

das völlige insichgehen und auch reduzieren der äusseren informationsflüsse.

es gibt für mich die zeiten der informations- und verstehenssuche. was ist die welt? was ist materie, der mensch, der geist, ist das herz mehr als eine blosse pumpe, die mühsam blut durch die venen schleusst? ich sehe dokumentarfilme, höre vorträge, lese und sammle. ich will wissen, mein intellekt brennt, eine rastlose und inspirierende sinnsuche. das sind zeiten der nervösen freude und aufgeregtheit.

in zeiten der kreation aber schotte ich mich ab. das neuerworbene wissen erfüllt mich dann, und ich habe das gefühl, es muss jetzt ein teil meiner, also ein teil meines körpers und seins werden. ich versuche dann, nicht mehr zu denken, sondern eine andere form von intelligenz agieren zu lassen. das ist eine sehr ruhige zeit. wahrscheinlich würde es der yogi meditation nennen.

wirkliches spüren und fühlen ist für mich einzig in der stille machbar.

ich glaube, kreation ist nur in geistiger stille und wissendem unwissen möglich, da sie per se jenseits des schon gedachten liegt.

wie sonst dem wort und dem gedanken entkommen, wenn nicht in intellektueller leere.

es ist der seiltänzer. das band, auf dem er tanzt, es verbindet ihn mit dem leben. die leere, die ihn umgibt ist in jedem moment präsent. sie bedeutet absturz und tod, sollte er das gleichgewicht verlieren. und gerade in dieser spannung zwischen leben und tod spielt die intensität, die ich kreation nenne. es ist ein raum jenseits von leben und tod, es ist…. ich weiss nicht genau, was es ist, aber es der moment der unendlichkeit, das alles.

copyright: eva-d“… weil es die schönheit ist, durch die man zur freiheit wandert.”

friedrich schiller in seinen briefen über die ästhetische erziehung des menschen: so lange ich denken kann, ist das mein lieblingszitat.

schönheit, freiheit und wandern.

freiheit, dieser vielumwobene begriff.

schönheit, genauso mythentragend.

wandern, in meinen assoziationen beschreibt das eine tätigkeit, ein schreiten auf ein ungewisses ziel hinzu, geprägt von eindrücken intensiv gelebter zeit ohne haus und habe. ich könnte es auch nennen eine reise im eigentlichen jenseits von kodierungen und verfestigten vorstellungen.

es fällt mir so schwer, in dieser zeit gefüllt von unrecht und unfreiheiten den begriff schönheit der freiheit anheim zu stellen. es scheint mir eine blasphemie, und gerade dieses innere sträuben zeigt mir, wie politisch das zitat ist und wie radikal die “schönheit”.

schönheit bedeutet für mich leben dort wo es frei von ideologien und eindeutigkeiten ist. der raum, wo gefühle ihre daseinsberechtigung haben und erfahren werden jenseits von gut und böse.

schönheit wird mit kunst assoziiert, und ich verstehe das. in der kunst erfährt, erwandert man das experiment freiheit. es handelt sich in der kunst um kein gesellschaftliches konzept, das versucht möglichst vielen in ihrem wunsch nach einem erfüllten würdigen leben gerecht zu werden, sondern die kunst ist ein ganz singuläres erlebnis, für den betrachter genauso wie für den künstler.

vielleicht ist die freiheit als politikum eine wunderbare utopie, zu der es zu streben gilt.

die freiheit als singuläres erfahren ist jedoch gewiss real und machbar.

copyright: eva-d

innerer frieden, wenn die frequenzen im einklang schwingen, ist eine theorie, in der kunst ist es ein gespür. die harmonie in der disharmonie, das stehenlassen im unfertigen, dieser hauch der freiheit auf festem fundament. eben, weil eine richtung gegeben ist. die leerstelle ist der atem, den das volle zum leben braucht. yin und yang, ein ewiges pendeln. kommt es zum stillstand, ist öde.

nicht jedoch tod, denn er, der erbrachte strich, schon vorbei, ist genau das leben, weil gerade dieser strich den impuls zum weiter, dem morgen, gibt. das jetzt: das auf-geregte sein, die friedliche regung, zwischen beidem.

wo gibt es so einen materialisierten ausdruck zwischen leben und tod, zwischen körper und idee, taktilem und geist wie in der bildenden kunst?

diese sinnlichkeit, ja, ich kann ein kunstwerk berühren, riechen.

ich liebe die malerei, auch wenn sie mich zum wahnsinn treibt. immer wieder der wunsch, leben zu erwecken. das ständige spielen zwischen den zeiten. ist der strich gemacht, so scheint er schon von gestern, und gleichzeitig eröffnet er das tor zum morgen, lässt hoffnungen und wünsche tanzen, gräbt in erinnerungen, und ist beim betrachten doch vollkommen eine meditation im jetzt.

 

no_i_am88geben ist silber.

nehmen ist gold.

wenn ich beginne, ein neues bild zu malen, ist dort eine ganz zarte idee in mir. eine flüchtige farbvorstellung, eine vage form, ein kribbeln in meiner rechten hand, das sich zu einem zittern steigert.

das ist mein gepäck, das ich mitbringe. meine gabe.

einmal über dem papier beginnt das nehmen. ich nehme die impulse auf, die mein körper in seiner geste ausdrückt, die farbe, die sich über dem blatt verteilt. formen entstehen, auf die ich reagiere.

nicht ich gebe dem leben, das leben gibt mir. ich nehme.

so ist die malerei.

im geben steckt auch immer ein moment der kontrolle. ICH bestimme, was ich gebe, MEIN bewusstsein bestimmt.

im nehmen liegt die völlige akzeptanz, ein wirkliches willkommenheissen.

die menschen brachten den göttern opfer, um sie wohlzustimmen.

es lag nun in der götter hand, ob sie die opfergaben annahmen und damit auch die wünsche und bitten, die durch sie erfüllung suchten oder ob sie sie verschmähten und die tür verschlossen blieb.

copyright: eva-dich will mich immer selbst übersteigern.

der guru sagt, es ginge um die suche nach sich selbst, die stille, die mich bewohnt.

der weg zur stille schreit. alles wird vertrieben, ein waldbrand bei dem selbst dem knorrigen torf die pflaster schmelzen.

trance. die bässe beben, das zerren, das wollen, trampeln, fluten von begierden.

there is no map to paradise.

“die normalität ist eine gepflasterte strasse; man kann gut darauf gehen, jedoch wachsen keine blumen auf ihr.” (vincent van gogh)

019schwärze. linie. geballte dunkelheit. nacht.

weiss. die offene ebene. unberührt.

201fliessen, hiebe, ich lache laut auf. der strich verzerrt. ein mund wird sichtbar. schräg. augen. wieviel ein leichtes schielen den ausdruck verstärkt.

202es sind diese unebenheiten.

ein hall.

aus dem nichts, jetzt, resonanz.

011ES sieht mich an.

226diese gestalten.

wie ein bienenstock. es schwirrt, summt, ES surrt.

303malen heisst, die box, die um mich ist, abzulegen. nackt. durchlässig.

eine nomadin im eigenen leben. ankerlos treibend im fluss der geister.

305wer sind sie?

362ich male. male. wann verebben sie? verebben die geister überhaupt oder wird mit jedem neuen eine vielzahl neuer geboren?

malen heisst die unendlichkeit körperlich zu spüren.

solange meine geister leben, lebe auch ich, denke ich.

335die gepflasterte strasse birst. blumen.

1i “derjenige, der ein WARUM zum leben hat, kann fast jedes WIE ertragen.” (f. nietzsche)
komisario. du gehst deinen weg. ich gehe meinen weg, schreibst du, ich tue, was ich tun muss. ohne mir die frage nach dem glück zu stellen. meine ziele geben mir energie und kraft. der weg zum ziel ist ein abenteuer, und es ermöglicht mir, zu lernen und zu verstehen und hoffentlich mit jedem tag etwas weiser zu werden.
was ist dein ziel?
du gehst.
die einsamkeit dein bester freund. gerade, krumm, wie es kommt.
die wellen schlagen, der geist treibt. weiter. immer weiter.
konventionen: kein thema mehr. es heisst zu gehen. dem inneren strom, dem willen, einem traum zu folgen. getrieben. angstlos. ausgeliefert nur dem schreien, das aus dir schallt. trance in permanenz. boum, boum, boum, das pochern des herzens. nicht im geist verankert. rein der körper. das adrenalin, das den ultimativen kick zum erreichen, zum fliegen, zum sprung in das unsagbare ermöglicht.

leere.
raum.
ist es die freiheit, die dich geisselt, treibt, besticht, fesselt und auch lebendig macht?
ich bewundere dich, wundere mich. komisario, du bist der meister des freien falls.
wie war das, als ich selbst, im alter von 4 jahren, von den schultern eines 20-jährigen gefallen bin. weiss mein gurt, seiner schwarz. judo. wie war der aufprall. leicht? schwer? ich habe nur glückliche erinnerungen.
komisario. du lebst. du fällst. du springst. geschmeidig wie eine katze.
immer weiter.
weiter.
wohin geht die reise?
unsagbar.
entscheidend:
du lebst.
das ist komisario.

copyright: eva-done of these days.
die starrheit einer person ist ihr untergang.
malerei: weichheit.
weich sein, offen, flexibel.
das gras neigt sich im wind, selbst ein tritt erschüttert es nicht.
die quelle, die nahrung, sie kommt aus dem grund. wasser.
reines wasser, das strömt. im fluss sein. bazrima.
die malerei ist EIN weg, das leben zu erfahren. es gibt so viele andere. denke ich.
ich weiss es nicht.
doch ja, ich weiss es.
die malerei ist dieses riesen experimentierfeld für das, was das leben ist.
die malerei ist ein wegweiser für das, was ein leben sein könnte und sein kann.
für das, was leben ist.
malerei ist materialisiertes und verewigtes denken und träumen.
in jedem moment einen schritt weiter gehen. grenzen sprengen.
die farbe, der strich, die form, all das hat eine riesen anziehungs- und verführungskraft.
jenseits der sprache.
schönheit PUR.
einzig fühlen und sich führen lassen.
ein spiel mit der erfahrung LEBEN.
ohne, dass es schmerzt.
die leinwand schweigt.
so scheint es.
sie liebt dich, wenn du du sie liebst.
sie blockiert dich, wenn du blockiert bist.
der spieltrieb im menschen… vielleicht das einzig menschliche.
weil er so ziellos ist,
und einfach lebt,
im jetzt.
what will be, will be.