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malen, dieser unwiderstehliche drang, über mich selbst hinaus zu entgleiten.

meinen kopf zur ruhe bringen, nein, ihn überlisten, stille herstellen durch ablenkung. trance. musik. bewegung. gleichzeitig der totale fokus auf das blatt.

beim malen bin ich der strich. meine totale liebe: die materialität, die farbe. im akt bin ich sie. wenn sie feucht und sinnlich über das papier gleitet, ist das mit einem tiefen vergnügen verbunden.

malen ist für mich ein erotischer akt. ich liebe in einer ganz sinnlichen weise meine stifte, meine farben, bin obsessiv vernarrt in die verschiedenen oberfächen und beschaffenheiten vom papier. selbst meine leinwänder kaschiere ich mit papier. wahrscheinlich hat jeder maler seine fetische. meiner ist papier.

und… das sagenumwobene WEISS, die leere, die ich nun belebe.

ein liebesakt hat kein ziel. genau so ist es bei mir beim malen.

ich gebe mich hin. völlig. forme, erfinde, spüre die striche und formen. reagiere, agiere, liebe. alles. ohne begrenzungen.

theatralik.

ja, geschichten erzähle ich auch. sie entwickeln sich auf dem weg.

ich nehme keine “drogen”, doch so stelle ich mir einen drogenrausch vor. bilder und geschichten, surreal und alltagsuntauglich, geistern durch die phantasie und werden wahr. diese entgleisungen in eine ganz neue und unbekannte welt, DAS bedeutet malen für mich.

und dann: ich frage mich oft, warum menschen seit jahrtausenden malen. einfach nur malen.

warum ist da so wichtig? was passiert da wirklich?

ist es ein pakt mit den göttern?

ein hauch des jenseits, der durch die materie dringt?

die unendlichkeit, die sichtbar gemacht wird?

zeit, die wirklich einmal stehenbleibt und somit dermassen beglückt?

“ach augenblick, verweile doch, du bist so schön.”

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wagen zu träumen, das bedeutet malerei und kunst im weitesten sinne für mich.

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in politischen diskussionen gehen die welten der “träumer” und der “realisten” weit auseinander.

es heisst bei “realisten”: lerne aus der vergangenheit. was immer schon so war, das wird wieder so kommen, auch wenn gerade dies angesichts der grausamen momente der geschichte zu vermeiden versucht wird. ein paradox in sich. gefangen im hamsterrad des grauens wird krieg mit krieg beantwortet. die aufrüstungs- oder sei es verteidigungsmaschinerie macht milliarden.

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der künstlerische akt hingegen bezeugt, dass in jedem moment, und immer wieder neu, verändertes bewusstsein auf das blatt kommen kann.

beim malen habe ich kein bewusst analytisches lernen aus dem gestern, sofern ich mich auf den weg der erkenntnis begebe.

mit er-kennen meine ich, immer wieder andere möglichkeiten und potentiale aufzudecken und dabei das wagnis des völlig leeren raums ohne historie einzugehen.

die welt des künstlers liegt, so aus meiner sicht, in der sphäre der visionen, dem aufzeigen potentiell lebenswerter (gesellschafts-)modelle. jede freiheit in der kunst ist für mich gleichzusetzen mit einer potentiell lebbaren freiheit eines jeden.

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ich bin tief davon überzeugt, dass ein verändertes bewusstsein auch veränderte realitäten schaffen kann.

nein, krieg muss möglicherweise doch nicht mit krieg beantwortet werden, nur weil es schon seit jahrtausenden so gemacht wird.

in der kunst geht es weder um agitation noch um aktion. bilder sind sinnlich erfahrbare bewusstseinsmodelle, wie ich denke.

und hier könnte der ansatz der kunst in der politik hilfreich sein:

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sich erlauben, und sei es auch nur für momente, erfreuliche gedanken zu erschaffen, ohne zensur, also ohne das muss einer sofortlösung im sinne eines traditionellen aktionplans, zu denken. tagträumen von einer schönen welt.

jenseits jeden realismus, den gedanken wagen, dass eine welt im frieden möglich sein könnte.

das wäre eine r-evolution.

 

 

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für mich ist die malerei da spannend, wo sie auch die schatten preisgibt.
diese schatten zu entlocken, das ist eine grosse herausforderung für mich.
noch immer schwebt in meinem kopf das vermeintlich schöne.
sensibel möchte ich sein, leicht, strahlend.
die tiefen aber, den impuls vollkommend spürend, nicht urteilen, sondern einfach malen, das bringt mich an meine grenzen.
am besten ist es, im fluss zu bleiben.
für mich ist der beste weg, es mir zu einer täglichen disziplin zu machen.
erschöpfend… schöpfend ist in diesem wort.
grenzen bringen mich an meine grenzen. das sagt das wort.
die gedanken auszuschalten, das ist ein versuch.
ich liebe die malerei. sie ist der direkte spiegel meiner… und scheint doch so weit entfernt.
es stimmt, ganz ehrlich gesprochen, ich bin immer wieder erstaunt. ich sehe mich so ganz anders.
und aber JA, ich bin erfreut.
ich bin mehr als mein gedanke.
vielleicht.

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ich habe die zwei seiten in mir.

harekrishna, ruhig, entspannt, ich fühle mich gut und in den lüften.

alles fliesst. ich bin ganz weit entfernt und die frage kommt mir auf: was mache ich hier auf erden, wo doch die engelsglocken schon so schön klingen.

und dann die andere seite.

wenn ich versuche, den schatten aus mir rauszutreiben, mich an den rande des wahnsinns bringe und wo ich mich plötzlich ganz zu hause, hier in der welt fühle.

exstase, die erde pulsiert durch meine adern. ich setzte mich in einen anderen zustand. schalte das denken aus und reagiere rein auf meine bewegung.

ich nehme die farben, stifte, die mir nahe liegen und lasse mich von dem vulkan, den ich leben nenne, zum aufbirsten leiten.

bei diesem zweiten akt der malerei, den ich für mich als fordernder und erlösender empfinde, stehe ich in jedem moment dem abgrund nahe. er reisst an meinen gewohnheiten. kaum kenne und erkenne ich grenzen, andere würden es vielleicht regeln nennen. ich suche den absolut freien zustand zu erhaschen. das irdisch tiefe, das brodeln des kerns, meine seele, so empfinde ich es.

schwindel. ich brauche pausen. es zerrt an meinem mut.

und auch:

ich bin erfüllt mit leben.

ein liebesakt.

in voller sinnlichkeit.

der verstand?

hier nicht.

komisario

 

ko-mi-sa-ri-o

segler der welten, stern der schönheit. du hast dein leben dem abenteuer und der sinnlichen freude verschrieben. ich würde wirklich gern wissen, wer du bist. du bist getrieben und bessessen von deinem traum einer besseren welt.

gesucht: den puritanen geburtststandort mit einer prise von verrücktheit und beisssendem quadratenmarsch als ansporn gleich zu lebensbeginn.

jetzt: singulär, keiner gemeinschaft verpflichtet, was er tut, das aus idealismus und dem unerschütterlichem glauben an gerechtigkeit.

sein blick lässt bäume springen wurde mir berichtet.

des nächtens wird er du lustig, ein lebemensch heisst es. 

seine augen, blau wie die ferne. seine haare, rot wie die glut.

seemann, komm bald wieder…

mir zittert der pinsel, komisario zerschmettert atome und lässt die quanten springen. grenzen gibt es keine auf seinem planeten. alles ist geballte kraft.

“logic takes you from A to B. imagination takes you everywhere. albert einstein”, so schrieb er mir.

 

 

 

 

 

was sind worte?

was ist phantasie?

erfindung, er-findung.

es hat mit finden zu tun.

ist eine bildliche phantasie, also erfindung, jenseits des wortes möglich?

wird nicht jedes bildliche erfassen sofort in worte gefasst und sogleich danach in eine empfindung übersetzt?

ich würde gern wissen: was kam zuerst, das wort oder das gefühl.

‚am anfang war das wort.‘

und gerade dem wort ist es so schwer zu entfliehen. es scheint so vollgeschwängert mit trunken schwankendem ballast.

ist eine welt ohne worte, also bedeutungen vorstellbar?

copyright: eva-d
der twist: grossvater ja banjospieler im osloer underground der 20-er, mutter baptistische kirchendiva, komisario im alter von 10 will schlagzeug spielen. die mutter kreischt wie immer: welch teufelswerkzeug! der sohn setzt sich durch, vater bringt den sohn geflissentlich zum unterricht, die augen keusch bedeckt gehalten vor des lehrers höllenanblick: tattoos, strammes sixpack, grazile nymphen im evakleid grossformatig die wände füllend.

der unverwüstliche wille wurde komisario in die wiege gelegt, der anarchische rhythmus des trommelschlags, das nervöse pulsieren der hihat wie sie sinnlich über die scheibe zurrt, wahrscheinlich sind hier die ersten spuren seines tobenden blutes in schwingung gekommen. komisario spielt keine musik. komisario ist musik. wild, impulsiv, haarscharf in seinem selbst erfundenen takt.

der weitere werdegang, bulimisch. klassik, jazz, pop, experimental, komisario jagt durch die universen. nirgends bleibt er hängen, überallhin kommt er wieder zurück, um erneut zu entschwinden.

seine auftritte als schlagzeuger verwehren ihm die eltern. komisario schmeisst mit 17 die schule. er will musik machen. ein letzter versuch der eltern ihn auf die sanfte bahn zu lenken: klarinette. er geht nach wien. studiert bei alfred prinz, spielt im orchester. das jähe ende dieser karriere: sein kiefer leidet unter der täglichen dressur. komisario wird “kapellmeister”, erste auträge als dirigent. zurück nach frankreich, paris. zeitgenössiche musik. er hat nun ein schwedisches ensemble, das er in die stadt der lichter bringt.

copyright: eva-dkomisario leidet. zu nah ist diese musikantenszenerie in ihrem bigotten gewand seinem puritanischen ursprung, der baptischen gemeinde. hörig. verschlossen. in den adern rinnt nur gesetztes anpassertum.

komisario beginnt zu komponieren. allein, sein computer bebt. er ist er, wieder: töne jagen, schlagen, ein jähes stoppen um gleich danach mit einer anderen achterbahnfahrt zu übermannen.

geldnot.

jahre der musikalischen enthaltsamkeit.

komisario erfindet sich neu. abenteurer. weltensegler. jetzt sucht er das gold that makes the world go around.

träume von finanzieller unabhängigkeit. mit dem gold will er eigene welten schaffen. musik. spektakel. delirium.

die musik steht schon lange nicht mehr auf dem notenblatt. kaum ein sound tobt noch durch den computer.

sein unbändiger drang nach leben und pulsieren, rhythmus und atmen hat sich in die welt gelegt. geballte energie im irdischen anzug. die verpuppung platzt.

copyright: eva-d

ist er ein lyti?

ich schlängele im rätsel. 

so viele irdische indizien. er könnte existieren, physich. genau wie musik physich existiert? schlangen winden sich durch das rückrat. ihre blicke verwandeln steine in schlösser.

ich bin agent008. meine mission ein codex zwischen den noten. mein kontakt, ein feuerball. die anziehung unbezwingbar.

copyright: eva-d ein gespräch mit claudie.

perspektive, das leben, die essenz liegt im einfachen. das einfache liegt im fernen, sagt sie.

im vordergrund eines bildes der renaissance, die realität. sie meint das konkrete, denke ich, die wiedererkennbarkeit. je mehr der maler dieser epoche, die dinge sich entfernen laesst, sie in die pespektive drueckt, je kleiner und unschaerfer malt er sie. und ist das wahre gerade in diesem entschwinden? dort, wo sich die kontur aufloest und nur noch die essenz uebrigbleibt?

sie erzaehlt mir von einer novelle stendhals. anfangs wird eine komplexe kulisse aufgebaut, napoleon, historische daten, krieg, stimmen, dialoge, die doch eigentlich nur austausch verbaler pflichten und konventionen sind. tumult, laut ist es, durcheinander, so total und ganz an der realität. derweil, ein mann und eine frau verlieben sich. und je weiter der roman schreitet, desto mehr verschwindet die äussere kulisse und übrigbleiben die beiden und ihre liebe. keine worte mehr, nur noch gedanken. nicht sagt die frau, sondern sie scheint sagen zu wollen, ein gedachter dialog, der ihr schweigen umhuellt.

stille, eine allumfassende einheit mit sich und dem moment.

die beiden: ihr aussen verschwindet, sie lösen sich selber auf. auf ende sterben sie. glücklich gehen sie in den tod, so berichtet claudie mir.

copyright: eva-dneumond.

malerei ist dem mond gleich.

es ist ein pulsieren. ein strahlen. ein schatten. ein kommen und gehen von einsicht. der grund bleibt beständig.

das aufbrechen in neue und fremde ufer.

ist der mond nicht verantwortlich für ebbe und flut?

so lange es eine sonne gibt und auch eine nacht, so lange werde ich malen.

malerei, farbe und striche, linien, gezeichnete geschichten, all das ist materialisierte form des lebens. spuren meiner vergänglichkeit.

das gerade-eben: wohl kenne ich es nirgends so scharf wie in der malerei.

das laken nach einer liebesnacht wird gewaschen.

die leinwand, sie behält diesen sakralen akt als höchstes gut.

ich liebe die malerei. ich liebe die bilder, die dabei entstehen. sie erinnern mich an mein gestern.

mein blick gibt ein heute.

und morgen, da male ich wieder.