Über evad008

1989 habe ich den auftrag bekommen, über die frage "what_is_art" zu recherchieren. ich empfinde, es ist an der zeit, meine recherchen öffentlich zugänglich zu machen. neben neuesten resultaten, werde ich peu à peu auch auf mein archiv zugreifen, und ebenfalls ältere ergebnisse auf diesem blog veröffentlichen. es handelt sich dabei um reflexionen, in bild und schrift. der kontakt zu meinen auftraggebern ist durch komisario x-bin gegeben, mit dem ich via skype und viber in engem kontakt stehe. im laufe der jahre habe ich neben der übermittllung meiner aufträge und hilfestellungen seitens komisarios auch das eine oder andere detail über ihn als person und seine herkunft erfahren können, was mir wertvoll ist. ich möchte auch diese Informationen öffentlich weitergeben, und aus einem puzzle von kursiv gedrucktem, wird sich der leser vielleicht selber eine vollständige persönlichkeit seiner zusammenbasteln können.

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malen, dieser unwiderstehliche drang, über mich selbst hinaus zu entgleiten.

meinen kopf zur ruhe bringen, nein, ihn überlisten, stille herstellen durch ablenkung. trance. musik. bewegung. gleichzeitig der totale fokus auf das blatt.

beim malen bin ich der strich. meine totale liebe: die materialität, die farbe. im akt bin ich sie. wenn sie feucht und sinnlich über das papier gleitet, ist das mit einem tiefen vergnügen verbunden.

malen ist für mich ein erotischer akt. ich liebe in einer ganz sinnlichen weise meine stifte, meine farben, bin obsessiv vernarrt in die verschiedenen oberfächen und beschaffenheiten vom papier. selbst meine leinwänder kaschiere ich mit papier. wahrscheinlich hat jeder maler seine fetische. meiner ist papier.

und… das sagenumwobene WEISS, die leere, die ich nun belebe.

ein liebesakt hat kein ziel. genau so ist es bei mir beim malen.

ich gebe mich hin. völlig. forme, erfinde, spüre die striche und formen. reagiere, agiere, liebe. alles. ohne begrenzungen.

theatralik.

ja, geschichten erzähle ich auch. sie entwickeln sich auf dem weg.

ich nehme keine “drogen”, doch so stelle ich mir einen drogenrausch vor. bilder und geschichten, surreal und alltagsuntauglich, geistern durch die phantasie und werden wahr. diese entgleisungen in eine ganz neue und unbekannte welt, DAS bedeutet malen für mich.

und dann: ich frage mich oft, warum menschen seit jahrtausenden malen. einfach nur malen.

warum ist da so wichtig? was passiert da wirklich?

ist es ein pakt mit den göttern?

ein hauch des jenseits, der durch die materie dringt?

die unendlichkeit, die sichtbar gemacht wird?

zeit, die wirklich einmal stehenbleibt und somit dermassen beglückt?

“ach augenblick, verweile doch, du bist so schön.”

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wagen zu träumen, das bedeutet malerei und kunst im weitesten sinne für mich.

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in politischen diskussionen gehen die welten der “träumer” und der “realisten” weit auseinander.

es heisst bei “realisten”: lerne aus der vergangenheit. was immer schon so war, das wird wieder so kommen, auch wenn gerade dies angesichts der grausamen momente der geschichte zu vermeiden versucht wird. ein paradox in sich. gefangen im hamsterrad des grauens wird krieg mit krieg beantwortet. die aufrüstungs- oder sei es verteidigungsmaschinerie macht milliarden.

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der künstlerische akt hingegen bezeugt, dass in jedem moment, und immer wieder neu, verändertes bewusstsein auf das blatt kommen kann.

beim malen habe ich kein bewusst analytisches lernen aus dem gestern, sofern ich mich auf den weg der erkenntnis begebe.

mit er-kennen meine ich, immer wieder andere möglichkeiten und potentiale aufzudecken und dabei das wagnis des völlig leeren raums ohne historie einzugehen.

die welt des künstlers liegt, so aus meiner sicht, in der sphäre der visionen, dem aufzeigen potentiell lebenswerter (gesellschafts-)modelle. jede freiheit in der kunst ist für mich gleichzusetzen mit einer potentiell lebbaren freiheit eines jeden.

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ich bin tief davon überzeugt, dass ein verändertes bewusstsein auch veränderte realitäten schaffen kann.

nein, krieg muss möglicherweise doch nicht mit krieg beantwortet werden, nur weil es schon seit jahrtausenden so gemacht wird.

in der kunst geht es weder um agitation noch um aktion. bilder sind sinnlich erfahrbare bewusstseinsmodelle, wie ich denke.

und hier könnte der ansatz der kunst in der politik hilfreich sein:

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sich erlauben, und sei es auch nur für momente, erfreuliche gedanken zu erschaffen, ohne zensur, also ohne das muss einer sofortlösung im sinne eines traditionellen aktionplans, zu denken. tagträumen von einer schönen welt.

jenseits jeden realismus, den gedanken wagen, dass eine welt im frieden möglich sein könnte.

das wäre eine r-evolution.

 

 

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komisario, verrückt, weil so eigen und unangepasst, und besessen, ja!, er hat die unglaubliche gabe, einen selbst gross fühlen zu lassen.

es ist seine grosszügigkeit, ganz weit weg von sich selbst, die stärken des anderen zu entdecken und emporzuheben. respekt, anerkennung, charme und humor, das sind geschenke, die komisario wie ein federkissen dem gegenüber zu füssen legt. 

komisario, wer bist du?

eins ist klar, du bist ein licht in dieser welt.

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für mich ist die malerei da spannend, wo sie auch die schatten preisgibt.
diese schatten zu entlocken, das ist eine grosse herausforderung für mich.
noch immer schwebt in meinem kopf das vermeintlich schöne.
sensibel möchte ich sein, leicht, strahlend.
die tiefen aber, den impuls vollkommend spürend, nicht urteilen, sondern einfach malen, das bringt mich an meine grenzen.
am besten ist es, im fluss zu bleiben.
für mich ist der beste weg, es mir zu einer täglichen disziplin zu machen.
erschöpfend… schöpfend ist in diesem wort.
grenzen bringen mich an meine grenzen. das sagt das wort.
die gedanken auszuschalten, das ist ein versuch.
ich liebe die malerei. sie ist der direkte spiegel meiner… und scheint doch so weit entfernt.
es stimmt, ganz ehrlich gesprochen, ich bin immer wieder erstaunt. ich sehe mich so ganz anders.
und aber JA, ich bin erfreut.
ich bin mehr als mein gedanke.
vielleicht.

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ich habe die zwei seiten in mir.

harekrishna, ruhig, entspannt, ich fühle mich gut und in den lüften.

alles fliesst. ich bin ganz weit entfernt und die frage kommt mir auf: was mache ich hier auf erden, wo doch die engelsglocken schon so schön klingen.

und dann die andere seite.

wenn ich versuche, den schatten aus mir rauszutreiben, mich an den rande des wahnsinns bringe und wo ich mich plötzlich ganz zu hause, hier in der welt fühle.

exstase, die erde pulsiert durch meine adern. ich setzte mich in einen anderen zustand. schalte das denken aus und reagiere rein auf meine bewegung.

ich nehme die farben, stifte, die mir nahe liegen und lasse mich von dem vulkan, den ich leben nenne, zum aufbirsten leiten.

bei diesem zweiten akt der malerei, den ich für mich als fordernder und erlösender empfinde, stehe ich in jedem moment dem abgrund nahe. er reisst an meinen gewohnheiten. kaum kenne und erkenne ich grenzen, andere würden es vielleicht regeln nennen. ich suche den absolut freien zustand zu erhaschen. das irdisch tiefe, das brodeln des kerns, meine seele, so empfinde ich es.

schwindel. ich brauche pausen. es zerrt an meinem mut.

und auch:

ich bin erfüllt mit leben.

ein liebesakt.

in voller sinnlichkeit.

der verstand?

hier nicht.

komisario

 

ko-mi-sa-ri-o

segler der welten, stern der schönheit. du hast dein leben dem abenteuer und der sinnlichen freude verschrieben. ich würde wirklich gern wissen, wer du bist. du bist getrieben und bessessen von deinem traum einer besseren welt.

gesucht: den puritanen geburtststandort mit einer prise von verrücktheit und beisssendem quadratenmarsch als ansporn gleich zu lebensbeginn.

jetzt: singulär, keiner gemeinschaft verpflichtet, was er tut, das aus idealismus und dem unerschütterlichem glauben an gerechtigkeit.

sein blick lässt bäume springen wurde mir berichtet.

des nächtens wird er du lustig, ein lebemensch heisst es. 

seine augen, blau wie die ferne. seine haare, rot wie die glut.

seemann, komm bald wieder…

mir zittert der pinsel, komisario zerschmettert atome und lässt die quanten springen. grenzen gibt es keine auf seinem planeten. alles ist geballte kraft.

“logic takes you from A to B. imagination takes you everywhere. albert einstein”, so schrieb er mir.

 

 

 

 

 

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ich gehe unglaublich heiter in dieses neue jahr. das ist wirklich wunderbar.

orgie, rausch, woodoo-doodu-wa, es gibt selten andere momente im leben, in denen ich so sehr die intensität des lebens fühle wie beim kreativen schaffen.

die kunst gibt mir solch eine kraft und einen enthusiasmus.

worin besteht die kraft.

gerade darin, dass sie völlig autonom von ihrem umfeld einfach schafft. und phantasiert. und lebt.

ja genau, LEBT. das leben in der kunst ist ganz und gar grenzenlos, ich schaffe mir meine eigenen welten, experimentiere, rotz, motze, hotze, auch egal, alles ist möglich, weil es ich bin, ich mit mir selbst.

und auch wenn ich auf dem bett liege und träume, das ist kunst für mich.

kunst ist ein energetisches gebilde. sie muss nicht unbedingt materialisiert werden, selbst wenn ich persönlich eine affinität zur materie habe. weil ich das sinnliche liebe. weil mein strich auf dem blatt eben doch erfrischender und überraschender ist als einzig meine kopfphantasien.

im kope gehe ich viel öfter schon bekannte wege und versuche sie zu erweitern.

auf dem blatt hingegen kommt der völlig unmögliche-verqueere anfangsstrich, der mein leitmotiv ist.

und dann: wie nun dieses erste disaster lösen, wie wieder eine harmonie herstellen, die meiner ganz eigenen inneren entspricht.

malerei ist für mich ein zwiegespräch mit der materie.

im kopf, da bin ich doch allein.

alles ist schön. das tagträumen, schlicht auf dem bett, gemütlich, das habe ich erst letztes jahr entdeckt. vielleicht bin ich darum so sehr beschwingt.

mir schwankt’s. oh, bin ich high.

zurück aus weiterer stadt mit einem B.

nachricht von komisario.

ich erhalte (!) photomaterial. und gezeigter enthusiasmus. dringend steht dort.

bisher habe ich material und recherchen gesendet, aber nicht bekommen. beginnt ein austausch?

decode:

schrift auf stein, links aussen, rechts aussen der torso einer frau in ein gewand gehüllt, die arme aktiv nach oben gerichtet. die beiden rechts und links daneben, zwei figurinen mit verschränkten armen. als würden sie sich in andacht selbst umarmen. die zentrale figur körperlos. der blick kraftvoll nach vorn gerichtet.

sowohl die schrift, als symbol für sprache, also expression, als auch die frauengestalt, die lebendig und aktiv ist, verstehe ich als meine aussenwelt. mein agieren und ein-greifen.

die zentrale innen figur ist das gegenteil, meine innenwelt. nur an ihrem kopf erkenne ich, dass es sich um einen menschen handelt. der rest, ein stein. der stein der weisen, von dem die alchemisten*** annehmen er stände für transmutation, wohlmöglich. der kopf als zeichen für die idee.

und diese idee strahlt in die zwei richtungen, die sie erst umarmen und dann umrahmen.

zwei ist genug, um vielfalt zu beschreiben.

die idee hat in ihrer stahlung eine vielfalt von möglichkeiten.

urgent ist die nachricht.

nichts ist einzigartig ausser der idee (zentrale figur). in dem moment wo ich eine idee entwerfe, sind schon vielfältige realisationen in ihrer möglichkeit gegeben.

was bedeutet das für meine mission.

ich werde geschehen.

*** Das Weltbild der Alchimie fußt auf dem sogenannten animistischen Prinzip, wonach es nur eine alles durchdringende göttliche Seelensubstanz gibt, die unendlich mannigfaltige materielle Formgestalt annehmen kann. (https://de.wikipedia.org/wiki/Stein_der_Weisen)