0790

 

malen, dieser unwiderstehliche drang, über mich selbst hinaus zu entgleiten.

meinen kopf zur ruhe bringen, nein, ihn überlisten, stille herstellen durch ablenkung. trance. musik. bewegung. gleichzeitig der totale fokus auf das blatt.

beim malen bin ich der strich. meine totale liebe: die materialität, die farbe. im akt bin ich sie. wenn sie feucht und sinnlich über das papier gleitet, ist das mit einem tiefen vergnügen verbunden.

malen ist für mich ein erotischer akt. ich liebe in einer ganz sinnlichen weise meine stifte, meine farben, bin obsessiv vernarrt in die verschiedenen oberfächen und beschaffenheiten vom papier. selbst meine leinwänder kaschiere ich mit papier. wahrscheinlich hat jeder maler seine fetische. meiner ist papier.

und… das sagenumwobene WEISS, die leere, die ich nun belebe.

ein liebesakt hat kein ziel. genau so ist es bei mir beim malen.

ich gebe mich hin. völlig. forme, erfinde, spüre die striche und formen. reagiere, agiere, liebe. alles. ohne begrenzungen.

theatralik.

ja, geschichten erzähle ich auch. sie entwickeln sich auf dem weg.

ich nehme keine “drogen”, doch so stelle ich mir einen drogenrausch vor. bilder und geschichten, surreal und alltagsuntauglich, geistern durch die phantasie und werden wahr. diese entgleisungen in eine ganz neue und unbekannte welt, DAS bedeutet malen für mich.

und dann: ich frage mich oft, warum menschen seit jahrtausenden malen. einfach nur malen.

warum ist da so wichtig? was passiert da wirklich?

ist es ein pakt mit den göttern?

ein hauch des jenseits, der durch die materie dringt?

die unendlichkeit, die sichtbar gemacht wird?

zeit, die wirklich einmal stehenbleibt und somit dermassen beglückt?

“ach augenblick, verweile doch, du bist so schön.”