was sind worte?

was ist phantasie?

erfindung, er-findung.

es hat mit finden zu tun.

ist eine bildliche phantasie, also erfindung, jenseits des wortes möglich?

wird nicht jedes bildliche erfassen sofort in worte gefasst und sogleich danach in eine empfindung übersetzt?

ich würde gern wissen: was kam zuerst, das wort oder das gefühl.

‚am anfang war das wort.‘

und gerade dem wort ist es so schwer zu entfliehen. es scheint so vollgeschwängert mit trunken schwankendem ballast.

ist eine welt ohne worte, also bedeutungen vorstellbar?

19 Gedanken zu „

  1. Ich glaube nicht, dass am Anfang das Wort war … erst die Empfindung und das Spüren, Sehen etc. und der Klang, der steht für mich an allererster Stelle …

    ich mag es nicht, wenn jedes Bild gleich in Worte gefasst wird oder jeder Text, jedes Schauspiel, jede Musik, erst einmal wirken lassen ist meine Devise und irgendwann finden sich auch mal Worte ein. Aber sie reichen nicht immer hin, zu dem, was ich empfinde und dann müssen eben doch die Bilder her …

    schöne Fragen, liebe Eva und schöne Feststellungen, ja, finden ist eins der Geheimnisse-

    liebe Grüsse

    • ‚am anfang war das wort‘ sollte ein zitat aus der bibel sein. ich habe die ausrufungszeichen erst jetzt hinzugefügt.
      ich denke auch, dass die empfindung an erster stelle stehen müsste. ein baby im mutterleib hört und fühlt ja auch schon ganz viel und hat wahrscheinlich noch keine ihm eigenen worte.
      trotzdem: das denken bleibt ein mysterium (und das benötigt worte. wahrscheinlich). und ist phantasie ohne denken möglich?
      ja, schöne fragen 🙂
      dir auch ganz liebe grüße ulli*°*°*

      • ja, liebe Eva, es ist aus der Bibel und immer, wenn ich diesen Satz höre oder lese, widerspreche ich 😉 ich Querkopf – lach-
        ich glaube schon, dass Phantasie auch ohne Worte und Denken geht, ist aber Denken unweigerlich nur etwas, dass in Worten passiert?

  2. Ich bin davon überzeugt, dass es ein Denken ohne Worte gibt, nur widerstrebt das manchen Menschen, die dies nicht wünschen, sondern es abqualifizieren wollen zu etwas weniger Wertvollem, etwas Nachrangigem, weil es sich der Kontrolle entzieht.
    Das macht zwar dem Individuum nichts aus, weil es in sich autark entscheiden könnte, was es damit anzufangen wünscht, aber den anderen, die es zu beherrschen streben, ist es wichtig, den Bereich des Nonverbalen zu tabuisieren, weil die schwer oder gar nicht in Worte zu fassenden „Implantate“ die mächtigsten sind, gegen die man nur mit der Kraft der eigenen Überzeugung ankommt. Das in Abrede stellen der Gleichberechtigung oder sogar Entscheidungsüberlegenheit eines sicheren sogenannten (von Worten) bloßen Gefühls verhindert dies.

    • ‚ein denken ohne worte’…. ich werde ganz wuselig bei all diesen begriffen.
      oder ein fühlen ohne gedanken?
      und trotzdem gibt uns doch auch gerade das denken eine riesen freiheit, sogar jenseits der sinne, wie im traum zum beispiel, oder?

      • Träume und ihre sich zugleich symbolisch verhüllende und das Rätsel zur interpretation durch Zusammenarbeit von Intention und Analyse anbietende Tiefe sind ein gutes Beispiel.
        Aber warum verwirrt dich die Fragestellung, wenn du doch mit deiner Kunst hier im Blog immer wieder eine wunderbare Synthese der Elemente Traum und Text präsentierst? Woran zweifelst du?

      • eine frage ist eher ganz grundsätzlich.
        bilder zum beispiel sind sinnlich erfassbar, musik auch, etc.
        träume aber erfassen unsere sinne nicht. es sind pure gedanken, die wir dann in unsere sinneswelt umsetzen.
        meine frage ist:
        wenn ich etwas fühle…. gebe ich dem gefühl dann nicht sofort eine bedeutung, also ein wort?
        und dieses wort löst dann wiederum ein (eventuell neues) gefühl aus?

        aber wie gesagt, ich habe mich glaube ich etwas verrannt.

        ich denke auch, dass eine welt jenseits der worte existiert. und das macht mich sogar sehr glücklich.

      • Dann träume ich anders. Mich ergreifen sie vollständig, visuell, taktil, akkustisch und emotional. Ich spüre mich, wenn ich träume, im Traum.
        Sind es Tagträume, auf die ich mich einzulassen genug Ruhe habe, ist das nur unwesentlich geringer.
        Das Gefühl zu klassifizieren als bedeutend oder weniger tief berührend, würde ich für mich vor dem Benennen ansetzen, dazu sind zumindest zwischenmenschliche Empfindungen viel zu oft ambivalent, um sie so einfach etikettieren zu können.

      • lustig, ich drücke mich nicht präzise aus. natürlich, ich träume auch wie du. doch das sind phantasie-sinne. unsere augen sind ja geschlossen, und trotzdem sehen wir, die ohren inaktiv wie der ganze körper, und doch erleben wir alles sinnlich (also wie durch unsere sinne). das finde ich faszinierend.

      • Wenn ich aufwühlende Zeiten erlebe, sind meine Träume höchst aktiv. Ich lache laut für alle hörbar, weine mit Tränen und allem, spreche laut und deutlich, verführe meinen Bettgesellen, schüttle ihn womöglich durch oder werfe ihn sogar mit sehr aktivem Körpereinsatz und ziemlicher Kraft aus dem Bett, weil „er“ als in dem Moment nicht persönlich wahrgenommene Gestalt mir bei irgendetwas im Weg ist. Solche Traumphasen sind mir oft berichtet worden und haben mir ebenso oft etwas über meinen Wachleben in Gegenwart und Vergangenheit klar gemacht. Es ist ein anderes Er-Leben, das seine Sinnlichkeit aus gespeicherten Eindrücken zu Szenen zusammensetzt, aber für mich habe ich recht früh gelernt: es ist ein aktiver, wenn auch zunächst nur intern kommunikativer Teil meines Lebens, der in meinen realen Alltag hineingreift, nicht nur, indem er Stimmungen und Erkenntnisse schafft, sondern zuweilen auch schon mal Gesprächsbedarf mit den überraschend mit in meine Träume aktiv einbezogenen Anwesenden.
        Ich bin auch bei den herkömmlichen Sinnen der Meinung, dass unsere Wahrnehmung nur mithife der Symbolarbeit im Gehirn arbeiten können, denn Lichtwellen, Schallwellen oder Teilchenbewegungen generell bieten keine begrifflich formulierbaren. lebenspraktischen Gegenstände an, dazu braucht es eine andere, für unseren praktischen Gebrauch konstruierte Vorstellung von der Welt. „Phantasie-Sinne“ sind es in jedem Fall.

      • du träumst wirklich sehr lebendig! toll.
        ja, wir haben auch eine aktive sinneswelt in unseren träumen und hier finde ich es wird so spannend.
        es befreit uns von den herkömmlich gemeinten, oder besser unsere erdachten und rein physichen ergänzen sich glänzend.
        wahrscheinlich haben wir ja auch in unserem physichen leben noch viel mehr sinne, derer wir uns nur nicht bewusst sind, weil sie als solches noch nicht benannt wurden.
        womit ich schon wieder, ohne penetrant wirken zu wollen, bei der bedeutung des wortes bin.
        ist nicht möglicherweise in dem moment, wo ich etwas benennen kann, also ihm ein wort zuschreibe, die öffnung zu und erfindung von neuen welten möglich?

      • Möglich ist sowohl eine Erweiterung, weil das Benennen einem Schlüssel gleichkommt, der einen in weitere Räume führen kann, aber auch eine Beschränkung, da man sich durch das „Etikettieren“ von einer Aufgabe als erledigt abwenden könnte, die andernfalls noch mehr Erkenntnis zu bieten hätte. Es kommt wohl ganz auf die jeweiligen Umstände und Bedürfnisse an, wie man es hält.

      • das stimme ich vollkommen zu. sehr kompakt und klar ausgedrückt.
        es geht um ein ständiges pendeln zwischen diesen beiden zuständen, denke ich.

  3. Interessante Diskussion! Logos heißt auch „Sinn“ – die Theologen streiten sich, ob es überhaupt „Am Anfang war das Wort“ heißt. „Am Anfang war der Sinn.“ – der vorsprachliche Sinn – das Ohm, der Weltenklang, die Vibration? Der Gedanke gefällt mir am besten…

  4. Wenn man selber ein Wort ausspricht, ist es die Geburt einer Emotion von Dir. Die Emotion ist dann in der Welt, wird von anderen aufgefangen, wird auch Gegenstand anderer Worte und entwickelt sich. Die Benennung der Emotion unterliegt dann der wortmäßigen Begrenzung oder öffnet neue Türen, wie puzzleblume richtig sagt.

  5. Worte sind abstrakte Vereinfachungen, die für uns zu Normen und nicht zuletzt zu Alltag geworden sind. Ein Wort kann nicht mehr als die bloße Idee von etwa sein. In der Sprache Mandarin gibt es beispielsweise einen festen Begriff für „Opa mütterlicherseits“, während wir zwei Worte dafür brauchen. Was sagt das über unsere Gesellschaft aus? Die Inuit kennen unzählige Worte für diverse Arten an Schnee. Wie einfach halten wir es dagegen mit dem „Schnee“. Von der sprachlichen Ausdrucksweise von Gefühlen ganz zu schweigen: Seine Mutter liebt man nicht auf die gleiche Weise wie einen Partner und doch liebt man sie beide. Wie undifferenziert ist das Wort Liebe doch. Worte sind das Produkt einer Kultur. Ohne diese vereinfachten Normen würde der Mensch verrückt werden vor lauter Komplexität.

    • das stimmt, worte sind vereinfachte terminologien für komplexe sachverhalte.
      meine frage ist, inwiefern könn(t)en wir uns unsere ganz eigene realität ohne worte erklären?
      ich male, und das ist jenseits der worte. ganz klar.
      wenn ich in meinem alltag aber versuche, gefühle oder eindrücke in worten auszudrücken, so habe ich oft das gefühl, ich gehe wieder einen schritt weiter, eng-wickle mich.
      ich frage mich, ob ein leben ohne worte überhaupt vorstellbar wäre und empfinde das wort in seiner eigenschaft, ideen auszudrücken, als sehr kraftvoll und kreativ.
      ja, wir haben wenige verschiedene worte für “schnee”, er spielt in unserer gesellschaft keine so grossse rolle wie bei den inuit.
      “am anfang war das wort”… dieser satz enthält ein grosses mysterium für mich, welches ich gern näher verstehen würde.
      🙂

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