copyright: eva-d“… weil es die schönheit ist, durch die man zur freiheit wandert.”

friedrich schiller in seinen briefen über die ästhetische erziehung des menschen: so lange ich denken kann, ist das mein lieblingszitat.

schönheit, freiheit und wandern.

freiheit, dieser vielumwobene begriff.

schönheit, genauso mythentragend.

wandern, in meinen assoziationen beschreibt das eine tätigkeit, ein schreiten auf ein ungewisses ziel hinzu, geprägt von eindrücken intensiv gelebter zeit ohne haus und habe. ich könnte es auch nennen eine reise im eigentlichen jenseits von kodierungen und verfestigten vorstellungen.

es fällt mir so schwer, in dieser zeit gefüllt von unrecht und unfreiheiten den begriff schönheit der freiheit anheim zu stellen. es scheint mir eine blasphemie, und gerade dieses innere sträuben zeigt mir, wie politisch das zitat ist und wie radikal die “schönheit”.

schönheit bedeutet für mich leben dort wo es frei von ideologien und eindeutigkeiten ist. der raum, wo gefühle ihre daseinsberechtigung haben und erfahren werden jenseits von gut und böse.

schönheit wird mit kunst assoziiert, und ich verstehe das. in der kunst erfährt, erwandert man das experiment freiheit. es handelt sich in der kunst um kein gesellschaftliches konzept, das versucht möglichst vielen in ihrem wunsch nach einem erfüllten würdigen leben gerecht zu werden, sondern die kunst ist ein ganz singuläres erlebnis, für den betrachter genauso wie für den künstler.

vielleicht ist die freiheit als politikum eine wunderbare utopie, zu der es zu streben gilt.

die freiheit als singuläres erfahren ist jedoch gewiss real und machbar.

6 Gedanken zu „

  1. Das Zitat umzustellen, und zu denken, dass die Freiheit zu durchwandern ein Prozess ist, der zur Erkenntnis der Schönheit führt, funktioniert für mich nicht minder. Es scheint das Zusammenbringen dieser Komponenten von Nöten zu sein, um beiden Raum zu geben. Daran hindern wir, unfrei im Kopf, mit unserem dualen Denksystem beides immer wieder, indem wir überhaupt Urteile von anderen vermittelt bekommen und sie unsererseits teilen.
    Schiller hat es sicher ethisch-politisch gemeint und nicht ästhetisch, verantwortlich für ein soziales Gebilde ist man aber auch in sich selbst, und die Freiheit des Inneren, die Seelenhygiene, gerät durchaus häufig in Konflikt mit dem Konventionellen, mit dem Begriff von Schönheit im Sinne dessen, was richtig sein soll …
    Vielen Dank für diese Anregung!

    • ja, er hat es politisch gemeint, als eine lebenshaltung. und dass der mensch von innen heraus sich als gesellschaftliches teil bildet anstatt lediglich höriger äusserer regeln zu sein. so verstehe ich es. es sind tolle briefe.

  2. Ich sehe oft mein Leben selbst als Wanderschaft an, es ist eins, das zeitweise Wandern mit Rucksack und Zelt oder nicht mit Zelt, das andere ist die Bewegung durch das Leben, das uns durch Täler führt, an Flussufern vorbei, uns Berge besteigen und in Höhlen hinabsteigen lässt, auf der Suche nach Schönheit- zum Beispiel, natürlich auch nach Wahrheit …
    wir wissen, dass Schönheit auch keine feststehende Grösse ist, es ist eine individuelle Empfindung ..
    und nun noch die Freiheit selbst, welch ein Mythos! Ich habe schon oft gesagt, dass für mich die einzig wirkliche Freiheit ist, ja oder nein zum Leben zu sagen … das ist eins, das andere ist die Freiheit als innere Haltung, zu wissen, dass es Dinge und Menschen gibt, mit denen wir verbandelt sind, sobald wir aus uns heraus ja zu ihnen sagen, ist es auch eine Art Freiheit …

    das nur kurz, sicherlich gäbe es dazu noch viele Zeilen mehr zu schreiben, danke für den Input und herzliche Grüsse
    Ulli

    • schiller gibt dem begriff „schönheit“ etwas scharfes, feuriges, weiches, verspieltes. ich liebe den text dafür. ja, schönheit ist individuell verschieden besetzt.
      und freiheit….
      liebe grüsse,
      eva

  3. Dieser Satz ist als Einheit zu verstehen. Wandern und Freiheit führen durch die innere Schönheit und zur inneren Schönheit, Freiheit von Zwängen, Freiheit in sich zu finden, nur die innere Freiheit führt machtvoll zu äußeren, von Dir beschriebenen Freiheit. Wandern durch die innere Schönheit kann nicht fehlleiten. Wandern, sich in sich selbst finden, kreativ neu entdecken und in die äußere Realität eintauchen. Schiller war ja eher ein Rabauke, aber vielleicht hat das Wandern durch seine eigene innere Schönheit die Freiheit gegeben, seinen eigenen unangepassten Weg zu wandern.

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