der vater eines nahen freundes liegt im sterben.

das macht mich sehr betroffen.

ich kenne den vater nicht.

tod.

tod1komisario. magier der worte. lebender in den visionen. immer auf morgen gerichtet. „heute“, „heute, das ist ein entscheidender tag. DER tag.“

täglich, immer wieder mit der neuen begeisterung und enthusiasmus: DER tag.

entscheiden, ent-scheiden, das bedeutet, das messer aus der scheide zu ziehen, und zu töten. allen anderen möglichkeiten zugunsten, oder ungunsten, dieser einen wahl zu töten.

wird uns erst im moment des scheidens, des sterbens, das wirkliche leben gewahr?

selbst, wenn es sich um einen recht fernen tod handelt. den tod einer person, der wir „nur“ über bezugspersonen verbunden sind?

und was bedeutet das für die kunst?

ist malerei nicht das sinnbild für den tod?

im moment des striches, der so quirlig und geladen über das blatte schwirrt, ist er auch schon… tot.

der strich, wenn wir ihn sehen, die spur, die er hinterlassen hat, hat er auch schon sein potential aller möglichkeiten verlassen und auf, für diesen EINEN moment entschieden.

will der maler leben schaffen, weil er jeden tod in graphit meisselt?

er hält das leben auf, archiviert es, macht das vergangene sichtbar und erfühlbar.

malerei: das kondensat aller möglichen zeitformen.

das jetzt, weil ich es im moment produziere, das vergangene, da mit dem sichtbarmachen schon die vergangenheit ver“steinert“ wird, das morgen, da sich jedes bild wieder tausendfach interpretieren lässt und in jedem moment neu empfunden werden kann.

zeit…. das ultimative mysterium*

7 Gedanken zu „

  1. Den gedanklichen Zusammenhang zwischen dem absolvierten Schaffensprozess und dem Tod finde ich sehr interessant, aber Ersteres erinnert mich eher an das Zurückkehren nach dem „kleinen Tod“, während ich den großen Tod, das Versterben aus der Mitte des Beziehungsgeflechts mit dem Schneeballeffekt-ähnlichen Auswirken auf weitere, anhängende Verästelungen, als etwas anders empfinde.
    Sicher, es hängt davon ab, welchem Glaubensmotiv man geneigt ist zu folgen, dem des einmaligen Beenden eines Lebens(-Werks) oder einer Vorstellung von immer neuen Entwürfen, bis die Eingliederung ins Gesamtkunstwerk verstanden worden ist, aber die Betroffenheit durch den Tod einer irgendwie mit dem eigenen Weiterleben verknüpfte Person halte ich für anders motiviert als die Auseinandersetzung mit dem eigenen, auf den zuzugehen eine mentale Position gefunden werden will.

  2. ich stimme dir total zu.
    was mich motivierte:
    der tod macht mich betroffen. der konkrete tod materialisiert die zeit, insofern sie an einen körper, das physische, gebunden ist.
    in unserem inneren gibt es vielleicht keinen tod, nur ein vergessen? oder, ganz im gegensatz dazu, ein einverkörpern?
    und auch der zusammenhang zwischen entscheidung und tod ist eine frage für mich.

  3. habe ich diesen text nicht schon einmal von dir gelesen? und haben wir uns nicht darüber schon ausgetauscht- oder habe ich nur ein dejavu? seltsam …

    wie auch immer noch, tod, wenn er nahe an mich heranrückt, stellt immer wieder neue fragen, da ist er gar nicht so verschieden vom leben … es ist der verlust, die trauer der hinterbliebenen, die mich dann immer und immer wieder umtreibt, aber dann kommt es auch darauf an, wie nahe ich jemanden bin … ein großes thema, liebe eva, ich merke gerade, dass ich hier aufhöre, irgendwie schiebt sich gerade ein schatten über den blauen himmel …

    herzliche grüße und viel kraft
    ulli

    • ja ulli,
      das muss ein deja-vu sein, da ich zuvor noch nicht über den tod geschrieben habe. denke ich jedenfalls.
      ich wünsche dir auch viel kraft und sonnenschein im blauen himmel,
      eva

      • seltsam ist das schon, liebe Eva, mit dem Deja-vu- es hält sich nämlich … aber nun gut, du weißt was du bloggst und was nicht …
        herzlichst Ulli

  4. Unabhängig vom erworbenen und erarbeiteten Verständnis über den Tod, Glaubensrichtungen, oder auch medialen Erfahrungen ist der Tod im Verwandten- oder Bekanntenkreis ein so einschneidendes Erlebnis, dass er alles in Frage stellt, selbst die Kunst. Es bricht halt alles weg.

    Zwischen dem Tod und dem „Strich“ sehe ich keinerlei Zusammenhang und die Malerei ist keinesfalls ein Sinnbild für den Tod sondern eher für das Leben. Man kann Zusammenhänge natürlich herstellen, Malerei ist Schöpfung und man kann sich fragen, ob Tod ebenfalls Schöpfung ist. Aber eines bleibt Fakt: mit dem Tod wird man erschüttert und stellt alles in Frage. Man kann sich eben nicht vorstellen, wie endlich man selbst ist und erlebt das nun bei anderen. Thorsten

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