0394die müdigkeit ist ein ganz fruchtbarer moment zu kreativen ausflügen.

es gibt zwei arten von produktiver müdigkeit. die eine ist auf angst begründet. sie schleicht sich in meine poren und macht sich im ganzen körper breit. sie will mich listig von dem schaffen ablenken.

die andere ist eine reelle müdigkeit, die sich gerade in den anfängen befindet. sie, nun, entzerrt. sanft. geduldig. der alltag, das aufgewühlte kreisen der gedanken, alles verlangsamt sich, schwindet. das boot verlässt den hafen. segel ziehen. ich reise.

und genau das oszillieren dieser beiden formen von müdigkeit ist formidabel.

start.

den widerwillen mit dem willen, nein, dem wissen verflüchtigen.

anstatt sich träumen im bette, den träumen auf der leinwand hingeben.

es ist diese weiche zärtlichkeit, mit der wir uns an die seite des geliebten legen. wenn der körper langsam den seinen entdeckt und das spiel beginnt. jetzt wieder erwacht. jetzt, im reich der sinne.

auferstanden.

malen ist nichts anderes.

es geht um nichts, wenn nur um das erleben in gerade diesem moment.

streichen, kratzen, erfühlen und gewähren lassen. der geruch der farbe, das geräusch des stiftes, die feuchtigkeit, wenn ich mit den händen direkt in das bild gehe.

die müdigkeit überwinden und trotzdem an ihr halten. die müdigkeit zum freund gemacht. raus aus den gedanken. im schlaf denken wir nicht, wir leben.

ich bin eine nachtmalerin. ich liebe diese momente. nun nicht mehr ich, sondern es.

ich urteile nicht… im traum.

der nächste morgen. erwachen. der erste gang: ins atelier.

wer.

ich.

ich weiss es.

ich bin so viele.

jede nacht neu.

copyright: eva-ddie mutter komisarios, diese schöne norwegerin, ein enfant terrible, doch, ganz anders als es dieser term erwarten lässt.

selber ist sie aus einem haus genialer bestimmungen: vater banjospieler im bristol hotel, und damit einflussreicher akteur des osloer undergrounds der 30ger und 40ger jahre, dann, unter der deutschen besatzungsmacht, erster schneider, und natürlich, weiterhin lebemann und grenzenlos. ihre mutter, dekadent, verwöhnt, später komme ich zu ihr zurück. und die brüder, der eine seefahrer und medizinstudent in basel, wo er erkankte und schon mit 32 verstarb. seine geliebte: eva. diese lebt noch heute im fernen norwegen, nun um die 90 jahre alt, und wie es heisst, habe sie seit dem tod ihres geliebten nie wieder einen mann geküsst. ihr unerschütterlicher glaube: die wahre liebe. der andere bruder, der war verrückter. erfinder, maler, überaufgeregtes genie und kreateur vieler kinder schon in frühem mannesalter. er liebte die frauen. er liebte das abenteuer. auch er zu jung gestorben. sein 30-jähriges leben derweil das eines 150 jährigen zu füllen vermag. und dann auch noch die schwester, die jüngste, verhätschelt von den eltern, fruchtig wie ein erdbeertörtchen, die cremig blonden locken kokett zu pferdeschwänzen gebunden. sie wurde im jungen mädchenalter geehelicht, gerade 18 war sie. ihr mann, ein wohlhabener libanese, betört von ihrer schönheit und derer süsse. sie ziehen gemeinsam in seine heimat nach beirut, schwelgen im familiären reichtum, dort, bis im land ein blutiger bürgerkrieg ausbricht und sie samt zwei kindern nun wieder in norwegen zuflucht suchen. hier leidet ihr mann ganz jämmerlich: um seinen stand und den reichtum gebracht, die famile war fern, das neue land eisekalt. er verstarb nur einige jahre nach seiner ankunft, arm und zerrüttet.

und komisarios mutter? wie konnte eine revolte in solch befreiten familienverhältnisses anders aussehen, als sich jung in erstem pubertären aufbegehren der städtischen heilsarmee anzuschliessen und jesu psalmen unter den armen und bescheidenen zu beschwören. fromm, gewissenhaft und, aber, natürlich exessiv, so wie es ihrer natur entsprach.

in diesem rahmen auch, da traf sie ihren späteren ehemann, komisarios vater, den pastor. sie ist verführt von dessen gradlinigkeit und bodenständigkeit, vermischt mit diesem seltsamen glanz von ferner aristokratie.

sie heiraten und er nimmt sie mit auf evangelistische mission nach frankreich.

der vater, der hatte den glauben in stiller stunde, da war er noch ganz jung, an einem see eingeflüstert bekommen. die entsagung und das schlichte leben, die taten ihm kein unwohlsein. die mutter hingegen, aus liebe zu ihrem mann und vom frommen abenteuer betört hierhergekommen, die sollte ganz schwerlich leiden. zu viel lebenslust in ein bigottes kleid gepresst. als mutter selbst, erst ein sohn und dann die tochter, war sie harsch und leidenschaftlich und mit grossem drill in ihrer erziehung.

wo sie litt, dort sollten auch die kinder nicht zu ihrer freude finden.

so war die überzahl weltlicher literatur verboten, fernsehen ein instrument des teufels und jegliche musik jenseits der göttlichen orgelklänge eine sünde und disaster.

in diesem klima: komisario wird geboren. der dritte im bunde. einer zuviel. ein kleiner teufel mit roten haaren.

copyright: eva-d

ich habe diese schreckliche sehnsucht in mir.

man sagt, man habe träume und wünsche in der kindheit, und dann im laufe der zeit, das alter kommt, gingen sie und schmelzen dahin wie ein zu süsses creme-eis im sonnenschein.

ich weiss nicht, ob es der malerinnen-natur ist, ist jeder künstler so?, bei mir jedenfalls wird es mit mit jedem tag mehr.

dieses träumen, wünschen, diese sehnsucht, die mich scheinbar zu zerbersten scheint.

ja, das „kind“, das in erwartung des ganz grossen geschenks ist. jeder moment, als öffne sich die tür im nächsten moment und das wunder käme herein.

schon als kind habe ich nicht im moment gelebt. ich habe geschichten erzählt, zauber um mich gesponnen, nur weil ich so unendlich neugierig auf das „gleich kommt es “ war.

sich im moment zu „verlieren“ ist ungeheuer schön und ausfüllend, doch der traum vom morgen, der, der ist magie.

die aufregung, grösser zu werden. die aufregung, wunder zu bewirken. die aufregung um der aufregung wegen. das ist leben für mich und das war es schon immer.

das hier und jetzt… das ist schön.

das wissen um das morgen, das ist erleuchtung.

ich male, weil ich mir ein MORGEN ersehne.

copyright: eva-d

aber natürlich, das ist GEHEIM.

wie schon als kind, ich liebe geheimnisse. und träume… die sind GEHEIM.

meiner kunstgeschichten siebter teil

im ethnologischen museum, berlin-dahlem.

ich phantasiere:

es ist eine figur, die für die alljährlichen november-rituale gefertigt wurde.

dieser kleine, runde in sich gefestigte mensch symbolisiert die erntezeit und unsere verbindung zur natur.

zeichnungen von samen umringen seinen leib, früchte bis hin zu den vollen blüten kurz vor ihrem vergehen. er wird von ihnen umarmt sowie auch er sie in seine arme nimmt. der kreis ist geschlossen, die totale einheit geschieht.

doch, es ist eins, in der natur zu sein und mit ihr zu verschmelzen, körper neben körper.

gnomus, so nenne ich die figur, verspeist auch die früchte, die ihn umgegeben. dieser intime akt, die völlige verinnerlichung der welt, ritualisiert seine abhängigkeit und seinen teil im kreis des universums.

gnomus‘ augen sind weit aufgerissen. im gegensatz zu der pflanzenwelt scheint er sich seiner symbiose bewusst. die pflanze, die gedeiht und wächst in stiller zuversicht der sonne entgegen. gnomus‘ körper hat diese selbstverständlichkeit und ihren trieb behalten, im geist jedoch ist er sich seiner trennung zur natur bewusst, symbolisiert durch den zaun in der mütze, und nur durch einfühlung, d.h. einverleibung, und demut wird er wieder im garten edens aufgenommen.

gnomus meditiert, mutiert in seiner haltung selbst zu einer frucht und erfreut sich, erstaunt und bewusst, der allumrundenden lebensenergie.

in den späten 70ger jahren wurden zwei sonden, die voyager 1 und 2 in das all gesendet. in ihnen die „voyager golden records“, nachrichten der menschheit an eventuell existierende ausserirdische.

bald schon, mitte der 80ger wurde von lytis eine der sonden empfangen. die enthaltenden informationen waren für sie überwiegend sofort entzifferbar und berechenbar.

gleichzeitig gab es aber auch ein musikstück von bach: „bacK is bacK isn’t bacK“ sowie bildnerische werke verbunden mit dem begriff: kunst, welche völliges unverständnis auslösten.

ein kleines team junger leidenschaftlicher lytis spürte die sprengkraft dieses begriffs kunst und machte sich so, ohne jegliche unterstüzung des systems, auf den weg zur erde. sie wollten VERSTEHEN.

ihre ankunft: ein nebliges feld in den tiefen polens, april 1989.

gleichzeitig beginn meiner agententätigkeit.

copyright: eva-d