meiner kunstgeschichten sechster teil

im ethnologischen museum, berlin-dahlem.

ich phantasiere:

diese skulptur hat sich ein sehr alter und weiser könig als grabhüter fertigen lassen.

sie sollte ein abbild seiner seele sein, und sie ist es geworden.

trotz aller reichtümer, die er sein leben lang gehegt hatte, grundbesitz, diamanten, gold, schlösser, wusste er doch, dass im moment seines todes, seine taschen leer sein würden. er könnte nichts mitnehmen ausser der schmuckstücke, die in seinen köper eingestanzt wären: diese wären seine ideen und wünsche oder träume, seine erinnerungen. nur jenes könne er vom leben in den tod mitnehmen. das wollte er durch die auf weiss eingravierten ornamente symbolisieren. weiss, weil weiss den anfang bedeutet. weiss, die idee, die noch nicht zur materie geformt. ein dort, wo noch keine karte gespielt wurde. der tod in diesem spiel, das tabula rasa und der absolute neubeginn, der tod, der eifersüchtige wächter, der nur noch verwaschene spuren eines damals duldete.

jedoch, auch wollte der könig sich als mensch wissen mit all seinen emotionen und leidenschaften, das glühende rot seines kopfes ein abbild dessen. ein gesicht, dass einen könig zeigt, der mitten im leben steht, und dennoch schon dem tod geduldig und still hingeben ist, die augen und den mund geschlossen, so ganz in sich geerdet.

einmal war die skulptur gefertigt, starb der könig ruhig und hinterblieb mit einem grossen lächeln.

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