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meiner kunstgeschichten fünfter teil

im ethnologischen museum, berlin-dahlem.

ich phantasiere:

es ist ein trinkgefäss für seemänner. ein alter mann, sein ebenbild ist links oben, hat es für seinen enkelsohn anfertigen lassen, um ihn auf das leben auf dem meer vorzubereiten. es ist sein initiationsgefäss.

gerade die küstensiedlungen lebten zu grossen teilen vom fischfang und der erbeutung noch anderer meerestiere. die tiere waren heilig und man ging von dem glauben aus, dass ihr verzehr auch die eigene seele ändere und ihnen angleiche. es ging also über den reinen nahrungsaspekt weit hinaus. das tier wurde verzehrt, jedoch suchte man einen fairen austausch im überlebensspiel. so wie es gefährliche tiere gab, die manch einmal einen fischer verzehrten, so machte es der mensch mit dem von ihm erlegten tier.

aber auch um den fang zu erleichtern, musste man die psychologie des tieres verstehen und in gewisser weise zu ihm werden.

sei eine krabbe und du wirst eine krabbe dir zu genuss erlegen können. benutze den panzer der schildkröte, siehe die geduckten männer in der unteren ebene, und du wirst dich beim fang zu schützen wissen.

hunde währenddessen galten schon damals als mittler zwischen mensch und tier. sie wurden nicht verspeist, sondern dienten mit ihrem feinen gespür für gefahren und seltsame stimmungen, den fischern als schutz und treue begleiter.

in das gefäss selbst wurde ein gebrannter meerestiersaft gefüllt. sein trunk verhalf den fischern zu einer phantasie- und tatvollen geisteshaltung. auch brachte seine wirkung den nötigen mut, um sich auf wagemutigen kanus in die wilden wellen, die an der küste bis zu mehreren metern hoch schlagen konnten, zu begeben.

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