19

meiner kunstgeschichten vierter teil

im ethnologischen museum, berlin-dahlem.

ich phantasiere:

mein erster eindruck ist ein sehr positiver und freundlicher. die figur hat etwas sonnig offenes, wenn auch in sich gekehrtes. das ist kein widerspruch. diese kleine figur lauert, verschmitzt, als würde sie nur auf ihren einsatz zum spiel warten.

ich weiss nicht, zu welchem anlass diese kleine figur gemacht wurde. l’art pour l’art? ausdruck der puren emotion ohne jeglichen gebrauchszweck?

die frage nach dem warum interessiert mich auch gar nicht, weil die figur, ich nenne sie spoon, ein ganz eigenes wesen geworden ist.

ist spoon ein mann? oder eine frau? das grob eingeritzte geschlecht scheint auf eine frau zu verweisen, die in einer naiven offenheit ihre fruchtbarkeit zur schau stellt. einen blick auf den kopf geworfen, beginnt meine eindeutige geschlechterzuordnung zu schwanken. oder handelt es sich um einen mann, der einen lendenschurz trägt?

es ist ein ständiges hin und her. mann? frau? und auch diese frage spielt schon schnell keine rolle mehr.

es ist spoon. und spoon hat einen vom körper so ganz verschieden kopf. der körper besticht durch seine haltung, die direktheit und aufrichtigkeit. der kopf aber lebt. er strahlt. er ist sonnenverbrannt und sonnenbrennend. er trägt die spuren der zeit. maserungen, die das leben uns einkerbt. nur ein punkt, diese kleine durchsicht in seinem rechten augen, lässt mich sein innenleben erahnen. wie sieht spoon innen aus? führt uns das auge in das reich der phantasie und gibt mir eintritt, über das rein äußerliche hinaus, mich selbst, ganz physich, hineinzudenken?

sind gedanken materie, die ich durch diese kleine öffnung schicken könnte und diesen wunderbaren spoon so mit meiner ganz eigenen person auszufüllen fähig wäre.

spoon, auch wenn dein körper sich mir so offen darstellt, so bleibt am ende meine ganze aufmerksamkeit nur an dieser schwarzen öffnung in deinem auge hängen. und vielleicht ist es gerade die, die dich zum lebendigen wesen macht.

2 Gedanken zu „19

  1. spoon ist für mich eine Frau, eine, die über alle Zeiten hinaus war und ist, geheimnisvoll und lebendig zugleich … fast ist es mir, als ob sie mit dem Auge zwinkert und sagt: nimms leicht, lass die Sorgen ziehen, am Ende steht das große Gelächter …

    herzliche Grüße
    Frau Blau

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