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meiner kunstgeschichten dritter teil

im ethnologischen museum, berlin-dahlem.

ich phantasiere:

ethnologisches museum berlin dahlem

ethnologisches museum berlin dahlem

der teller wurde in einer grossen manufaktur in einer reihe hergestellt, wie ein guter freund zu berichten weiss. es ist also kein geschenk fuer eine bestimmte person.

es ist ein teller, wie er zu dem all-5-jährlichen opferfest benutzt wurde. in ihm wurde ein essen serviert, daß dem herrscher ’symbolisch‘ dargeboten wurde. natürlich hätte er praktisch nie alles essen können. die teller wurden vom volk am palasteingang verteilt und verweilten dort während der ganzen festwoche.

es gab mehrere motive. bei diesem motiv hier handelt es sich um die eintreibung der opferkandidaten. dafür wurden die schönsten und auch kultiviertesten männer aus dem land gewählt. man erkennt den hohen gesellschaftlichen status an den socken. gewöhnliche arbeiter kannten diese art von fußbekleidung nicht. je nach stammestradition konnten diese in der farbe wechseln, wie auch die gesichts- und körperbemalung, siehe genitialbereich, oder auch die frisur.

zum einklang dieser heiligen woche war es tradition, die kandidaten nackt durch die städte bis hin zum palast zu führen, von den gehilfen des jeweiligen stadthalters, damit das volk die schönheit bewundern konnte und auch, so wurde es versteckt getan, auf den erwählten zu wetten.

die vögel galten als wegweiser, ihr orientierungssinn wurde ausgebildet wie bei brieftauben aus modernen zeiten, da es natürlich noch keine gut ausgeschilderte infrastuktur gab.

im palast angekommen wurden diese männer gebadet, massiert und mit edlen duftölen versehen, bevor sie dem herrscher und seiner frau einer nach dem anderen dargeboten wurden. diese prozedur konnte sich über tage hinziehen. derweil wurden sie auf das beste verpflegt, musik, feinstes essen und trinken, spiele, die manch einmal weit über den einfachen tanz hinaus gingen und sich der liebe frei hingaben. die männer sollten sich wie im paradies fühlen.

nur EIN erwählter wurde am ende der woche in einer großen zeremonie und im strahlen der sterne einer vollmondnacht, dem großen gott geopfert werden. sein tod war ein ehrentod und sollte die tiefe verbundenheit zum gott wieder einmal dargeben.

die anderen kandidaten wurden noch am selben abend wieder nach hause gesendet, ihre taschen gefüllt mit goldstücken und einem hauch von ruhm. eine erneute teilnahme sollte ihnen aber untersagt bleiben.

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