nach(t)gedankenkunst: hingabe, ein auftrag, eine mission?

nach(t)gedankenwas treibt den menschen in der heutigen zeit an, kunst zu machen.

nach(t)gedankenwarum kann ein strich heute so viel macht über den künstler haben, daß er ihm sein leben hingibt und sich selbst in abgründe zu stürzen bereit ist? warum verfolgt uns der strich, die farbe. wie schaffen sie es, uns unbefragt risiken auszusetzen, beinahe furchtlos, als wären wir betäubt?

nach(t)gedankengibt es ein schlüsselerlebnis im leben des künstlers, das ihn zum künstler macht oder wird er schon so geboren? und wenn es ein schlüsselerlebnis gibt, welcher natur ist das?

nach(t)gedankender vater, stig, 1930 geboren und als einzelkind aufgewachsen in den waldigen tiefen schwedens. seine eltern: vater, tunnelsprenger, mutter, hausfrau. gerade 14 geworden, da wurde ihm vom vater gesagt: du hast nun genug in der schule gelernt. es ist an der zeit zu arbeiten. stig verliess also die schule und wurde zum blumenverkäufer.

mit 15 jahren gewann er einen preis für die beste kurzgeschichte, ein ereignis, das nicht nur durch die ortspresse ging, sondern ein talent bewies, welches für seinen weiteren werdegang von grosser bedeutung sein würde.

mit 17 wurde er zum pflichtdienst in die armee eingezogen. tief in den kalten schwedischen wäldern, ein jahr in einer hütte mit anderen leidensgenossen, weder fliessend wasser noch heizung und toilette.

dort geschah es eines nachts, so erzählte er später seinen kindern, dass er am see die stimme jesu gehört habe. wenig später verliess er entgültig das elternhaus, und schloss sich, mittlerweile 19 geworden, einem hilfstrupp an, der deutschen ostflüchtlingen in schleswig-holstein mit verpflegung und kleidung weiterhalf. hier besuchte er religiöse seminare und eignete sich gottes vokabular an.

seine lebenslange mission ward geboren. er wurde missionar im auftrag gottes. wer so gut geschichten erzählen konnte wie er, natürlich, er hatte schnell erfolg und wurde von der gemeinde zur missionarsarbeit nach frankreich gesendet. doch das wort nur sein werkzeug, die mission war sein leib und seine seele.

die mutter, ase, ward ganz anderer herkunft. ihr vater, ein berühmter banjospieler in den restaurants und bars oslos, norwegen. über die grossmutter gibt es erst informationen zu ihren letzten lebensjahren, wenn sie in einem heim weilt. aber ja, sie war sehr lebensfroh, so sagt man. ase wurde als erstes kind 1931 zur welt gebracht.

die brüder ases sind ein seemann und ein umtriebiges getriebenes genie, von dem komisario x-bin wohl so einiges in die wiege gelegt wurde. zum leidwessen dessen starben beide sehr jung, so um die 30 und ausser aus den erzählungen seiner mutter hat komisario die beiden nie wirklich gekannt. die schwester, komisarios tante, eine hübsche norwegerin, die mit 20 von einem reichen libanesen geehelicht wurde und im fernen osten verschwand. und mutter ase, im herzen ein echtes enfant terrible, doch wie sollte sie sich dieser liberal unkonventionellen familie anders entgegensetzen als den heiligen diensten beizutreten. sie ging zur heilsarmee, in deren funktionen sie ihren mann stig kennenlernte, und mit ihm gemeinsam auf mission nach frankreich zog.

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2 Gedanken zu „

  1. kunst: hingabe, ein auftrag, eine mission? Vorige Frage war: Hat der Künstler eine Verantwortung. Beide Fragen haben eine ähnliche Richtung, verbunden durch dieselbe Künstlerin.
    Die Fragen können mit ja oder mit nein beantwortet werden. Beide Möglichkeiten machen keinen Sinn. Das Ergebnis bestimmt hier seltsamerweise die Begründung. Hat der Künstler eine Verantwortung, Mission, Auftrag, muss er sich verbiegen, denn dieses kommt von außen und wirkt auf ihn ein, unter Umständen disziplinierend, dem Auftrag entsprechend. Damit ist diese bejahende Auffassung bemakelt mit Unfreiheit der Kunst. Ich glaube, dass hier kein Kompromiss möglich ist.
    Verneint man die Frage, gerät man fast in einen Strudel und verliert den Boden unter den Füssen. Kein Künstler würde diese Fragen verneinen, vermute ich.

    Kommt die Verantwortung, Mission, Auftrag jedoch von innen, sozusagen selbstgestellte Verantwortung ,innere Mission und selbstgefühlte Aufträge, fällt die behjahende Antwort sehr leicht und ist schon fast trivial zu nennen.
    Was aber ist mit der politischen Kunst, der Arbeiterliteratur und -malerei, die mit zu gesellschaftlichen notwendigen Umbrüchen beigetragen hat, was ist mit der chinesischen Kulturrevolution, die ein Milliardenvolk aus der gesellschaftlichen Erstarrung geholt hat, was mit dem allseits bekannten Song „Guantanamera“, der ausschließlich politischer Natur ist. Haben diese Künstler sich verbogen, wurde hier Kunst verbogen?
    Das soll keine Antwort sein, sondern nur Reflexionen, aufzeigen von Polaritäten, Bandbreiten.

    • das ist ein sehr interessanter kommentar und ein toller beitrag für eine diskussion. danke!
      wenn ich von auftrag oder mission spreche, dann suggeriere und meine ich damit einen ganz singulären auftrag, der dem, wie du es nennst „innen“ entspricht.
      jede politische vereinahmung der kunst ist, sofern sie von einer regierenden oder oppressiven macht kommt, ob nun rechts oder links oder religiös, hat nichts mehr mit kunst zu tun, sondern mit propaganda. wie du es sagst, die freiheit ist der kunst fundament.
      trotz allem gibt es noch immer ein l’art pour l’art, die kunst, die der kunst genügen solle, und das ist für mich die frage. ist das wirklich genug? vielleicht. ehrlich, ich weiß es nicht.
      in diktatorischen regimen kann schon allein ein strich, der nicht der ideologie entspricht, zum verbot und harten sanktionen führen. die „entartete kunst“ eines naziregimes als bestes beispiel dafür. heute bilden gerade die verbotenen dieser zeit die pfeiler unserer kultur jener jahre und füllen wieder unsere museen.
      kunst lebt vielleicht gerade in dieser gratwanderung, sie kann verstören, was ein verstocktes denken aufrüttelt und positiv ist, aber auch zerstören, alpträume auslösen und seelen in abgründe stürzen, was ich nicht befürworte und für mich nicht möchte.
      wahrscheinlich muß sich jeder künstler diese fragen selbst stellen. das kann und sollte kein regime übernehmen.
      politische kunst: ich kann verstehen, daß in oppressiven situationen künstler den pinsel als waffe verwenden. hier kann kunst unfreiheiten aufzeigen und als pazifistischer widerstand vieles bewirken.
      persönlich fühle ich mich von einer „mission“ getragen, die aber nichts mit jegweder politik zu hat. ein thema, dass recht intim ist, und das ich wohl im laufe der zeit darlegen werde.
      also: kunst als solches ist ein politischer akt, da sie die mögliche freiheit (oder unfreiheit) des denkens darlegt, aber kunst ist kein pfeiler der politik. politik ist ein (im besten falle) gemeinschaftlicher kompromiss, kunst jedoch darf keine kompromisse machen, sie ist kompromisslos singulär.
      und trotzdem, private mäzene, de medici oder diaghilev z.b., haben auch dazu beigetragen, bedeutende kunstwerke zu ermöglichen. also, generell habe ich nichts gegen auftragsarbeiten. es kommt auf die umsetzung an.
      es stimmt, es gibt so viele fragen.

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